Erstickt

An tausend Meetings habe ich Teil genommen. Tausend mal unbefriedigt von Dannen gegangen. Weil, tausend mal wurde geredet. Tausend mal wurde nichts entschieden. Tausend mal habe ich versucht etwas zu erreichen. Tausend mal bin ich abgeblitzt. Tausend und ein mal zu lästig gewesen, muß ich die Firma verlassen und friste, überglücklich über meine Befreiung, die letzten Tage meines Daseins.

Aus der Gemeinschaft, in der jeder sein eigenes Süppchen kocht, ausgestoßen, sitze ich anteilnahmslos abseits der klugen Köpfe, lausche deren klugen Worte und den einleitenden, lähmenden Floskeln vom vorsitzenden Direktor.

Es beginnt das Meeting mit den „sehr dringenden“ Tagesordnungspunkten, die explizit abgehakt werden und im Protokoll für nächste Woche als „äußerst dringend“ Eingang finden. Danach werden die „dringenden“ Punkte für das folgenden Meeting in die Kategorie „sehr dringend“ verschoben. Die aber vom letzten Meeting noch übrigen „äußerst dringenden“ Angelegenheit werden als nicht mehr aktuell, alter Hut, schon tausend mal besprochen, fast erledigt oder aber, als ein gesondert oder bilateral zu erledigender Gegenstand aus dem Akt gestrichen, und wir kommen zum Schluß, zu „Allfälliges“.

So verfolge ich den nie enden wollenden Kreislauf der Widersprüchlichkeiten. Die behandelten Themen sind wie ein perpetuum mobile die von imaginären Antrieb gesteuert immer wieder Einlaß in den gedankenleeren Raum finden, schwerelos von Kopf zu Kopf schweben und am Ende wieder in eine inaktive Umlaufbahn geschickt werden wo sie auf eine neue Chance der Erledigung warten. Wie ein Atomkern der von seinen Teilchen umkreist wird, tagen im Zentrum die Entscheidungsträger, umgeben von den zum Rotieren verdammten Verdikten, die auf das Fällen eines Urteils zur Befreiung warten. Das Atomgewicht nimmt durch die hohe Zahl an Teilchen immer und immer mehr zu, wird höher und höher, so daß der Kern unter den kreisenden Elementen mangels Lichteinfall und Sauerstoffzufuhr elendiglich zugrunde geht.

Der Kern aber ist der Kopf des Betriebes, der ohne Gehirn nicht lebensfähig ist. Und so geht’s konstant, linear und flach aber immerwährend talwärts. Schade!

Gott sei Dank, muß ich an keinem dieser unsinnigen Agglomerationen an Sprücheklopfern mehr teilnehmen, kann frei und unbekümmert, tief und fest einatmen!