Ausstieg

Du lebst in einer Stadt,
die Flair und Zukunft hat,

die noch nie von einer Dürre lahm gelegt,
über die noch kein Orkan gefegt.

Die Menschen sind bequem,
sozial ist das System,

die Wirtschaft blüht, sie ist zu seh’n,
schlicht – ein Leben schön und angenehm,

Du hast Arbeit, Wohnung und zu Essen,
trotzdem bist du d’rauf versessen,

einzutauchen in ein fremdes Land,
das dir gänzlich unbekannt.

Dort herrschen and’re Sitten,
and’re Bräuche and’re Riten,

du bist das Klima nicht gewöhnt,
aus dem Mund der Menschen eine Sprache tönt,

der kannst du nicht parieren,
ihre Schrift nicht dechiffrieren,

und weil alles so konträr,
ist es unvergleichlich schwer,

zu beschreiben was dich hält,
in dieser fremden Welt.

Warum bist du wild darauf?
Warum nimmst du das in Kauf?

Ist es der Freiheitsdrang?
Rein die Flucht aus dem Zwang,

zu erreichen, mit Anzug und Krawatte,
die viel zu hoch gelegte Latte,

und vor dem was ich am meisten hasse,
nämlich, mit zu schwimmen in der Maße,

ständig zu beweisen,
ich hab‘ Geld für weite Reisen,

ich hab‘ den besten Job,
ich bin der größte Snob,

wenn kein Benz aus der Garage lacht,
in der ägäis fehlt die Yacht,

bist du unten durch,
bist du Abfall, bist du Lurch.

Gemessen wird mit einem Lineal,
doch mißt es nicht dein Ideal,

du wirst gemessen und geeicht,
danach wie hoch dein Pegel reicht,

in deines Geldes Speicher,
denn du bist besser – um so reicher.

So ist’s das bloße streben,
nach dem nackten Kampf um’s überleben,

wo du ein Mensch noch bist,
der lediglich des Lebens fähig ist.