Kaffeehaus die Fünfte oder Ein Tag im Kaffeehaus

Vereinzelt gibt’s Personen,
die im Kaffeehaus fast schon wohnen.

Es beginnt der Tag ganz locker,
mit Ei im Glas und einem Mokka,

dann muß er in die Firma gehen,
kurz nach seiner Arbeit sehen,

gleich danach zum zweiten Frühstück,
wieder ins Cafe zurück,

weil der Hunger droht,
ein belegtes Brot,

eine Schale Nuß hinterdrein,
dazu ein Gugelhupf darf’s auch noch sein,

auf geht’s ins Büro, malochen,
überläßt dem Cafetier das kochen,

schon bald ertönen laut die Mittagsglocken,
die ihn wieder ins Kaffeehaus locken.

Fragt den Ober: „Was geht schneller,
Menü oder Tagesteller?“

Hm, oder vielleicht doch ein Gulasch und ein Weckerl,
oder möcht ich lieber Schinkenfleckerl?

Ein Paar Würstel, aber die mit Gulaschsaft?
oder besser einen Suppentopf, der gibt Kraft!

Linsen, Beuscherl, Tafelspitz,
möcht ich essen auf einen Sitz

der Hunger plagt ihn sehr,
doch die Auswahl die fällt schwer.

Oder lieber doch die Depreziener,
Nein! Als echter Wiener,

ein Wiener Schnitzel mit Salat,
das wär‘ das richt’ge g’rad,

füllt Magen und die Pause,
stillt den Hunger bis zur Jause,

dazu ein kleines Bier,
schwänzt die Arbeit und bleibt hier.

Während auf sein leiblich Wohl er achtet,
er die Leute im Cafe betrachtet.

Eheleute schlichten ihren Krach,
ein Jüngling wird bei seiner Liebsten schwach,

Verträge wurden schon besprochen,
die eine oder and’re Ehe schon versprochen,
auch Freundesbande sind gebrochen,
aus der Küche hat’s schon mal verbrannt gerochen,

Arbeitslose und Studierte,
lesen Zeitungen und Illustrierte,

da ein Husten, dort ein Niesen,
ein Clochard wird des Lokal’s verwiesen,

weil, er hat gestunken,
von einem anderen das Bier getrunken.

Daneben sitzen Advokaten mit Klienten,
man findet ärzte und Patienten,

sowie Priester, Hausfrauen und Piloten,
Demonstranten und Chaoten.

Nicht zu definieren ist die Klientel,
ob gemütlich oder schnell,

niemand hat keinen Grund,
nicht zu gehen zu jeder Stund,

wohin alle Wiener sich begeben,
um das Leben zu erleben.