Der Kochlehrling

nach Johann Wolfgang Goethe’s „Der Zauberlehrling“

Hat der alte Küchenchef
sich doch einmal wegbegeben!
Und nun sollen seine Töpf‘
auch nach meinem Willen leben.
Seine Kräuter und Gewürze
merkt ich und den Brauch,
auf die Töpfe ich mich stürze
koche ich jetzt auch.

Koche! koche
manch‘ Gericht,
wird ein Gedicht,
weil Soßen fließen
Reich und voll mit Geschmack
über’n Braten sich ergießen.

Und nun kommt ihr alten Pfannen!
Ihr seid gut beraten;
samt den löchrig‘ Wannen;
heiß zu kochen und zu braten!
Auf dem Ofen stehe,
unter dir die Flamme,
hoch ich sie drehe,
werde heiß oh Pfanne!

Koche! koche
manch‘ Gericht,
wird ein Gedicht,
weil Soßen fließen
Reich und voll mit Geschmack
über’n Braten sich ergießen.

Seht, wie es schon blubbert;
Wahrlich! sind heiß im Nu, die Soßen,
und wie gut sie schnuppert.
Rasch mit Suppe aufgegossen,
kocht zum 2ten Mal sogleich!
Wie die Soße schwillt!
Cremig, sämig, weich
doch herrje, sie überquillt!

Stop, stop, stop
den sonst ist
die Soße Mist,
Halt bevor sie stockt!
Ach ich merk‘ es! Wehe! Wehe!
Hab’s verbockt!

Ach, die Finesse, worauf am Ende
sie das wird was sie auch soll,
rühre ich behände!
Fühle ärger, hege Groll,
und einen neuen Guss
von der Suppe schütt‘ ich drüber!
Mich rettet nur ein Musenkuss.
Erneut sie brodelt über!

Verrucht ist dies Gericht!
Weiß nicht, worauf es pocht,
worauf ist es erpicht?
Ich bin der der kocht!

Willst am Ende
du mich brechen?
Willst dich rächen,
willst mich biegen,
weil ich dich zubereite?
Niemals wirst du mich besiegen.

Seht, da köchelts wieder,
läuft in jede Ritze.
Gleich du Masse gehst du nieder
entziehe dir die Hitze!
So, Einhalt ist geboten,
beginnt sie zu erkalten.
Vorbei sind die Marotten,
kann endlich meines Amtes walten.

Wehe! Wehe!
Kurz war er, der Frieden
rundum alle Töpfe sieden,
garen immer dreister!
Hilfe ich erflehe –
hilf mir doch oh Küchenmeister!

Und es brodelt heiß und heißer,
schwarz geröstet ist der Zwiebel,
mein Gesicht wird immer weißer!
Schmeiß den Braten in den Kübel,
weil, oh Jammer, er verkohlt
und meine Soße nur noch Kleister!
Hab das nicht gewollt –
wo bleibt nur der Meister!

„Es ist alles meine Schuld“!
„Rauf dir nicht die Haare
dauert es doch Jahre
Zug um Zug, wie beim Schach“
– er mich tröstet – „Hab Geduld
es wirst auch du ein Meister in deinem Fach“