Frust

…ist die Gefühlsregung, derer ich mir bewußt geworden bin, als die Erkenntnis über mich kam dem Blendwerk einer fiktiven Sprosse der Erfolgsleiter zum Opfer gefallen zu sein. Real mich aber nicht mehr voran trieb als einen kleinen Schritt auf der endlosen nächtlichen Autobahn namens Zukunft. Immer weiter hinein marschierend in das Dunkel der Nacht, stelle ich mit Bestürzung fest, daß mein Schaffen eine Gradwanderung zwischen zwei Träumen – einem mir schlaflose Nächte bereitendem Alptraum und einem Wunschtraum vom erreichen eines, nur in meiner kühnsten Phantasie wahrhaftigen, irrealen Zieles ist.

In der Isolation einer Traumfabrik in der ich als Traumtänzer und als solcher nicht allein in meiner von Lügen entstellten und falschen Tatsachen verdrehten Seifenblase einer heilen Welt herum tanze. Verursacht durch das unaufhörliche rezitieren, referieren und kommentieren von doppelzüngigen Lippenbekenntnissen nahezu diktatorischer Herrscher über ein Imperium von ärmlichen Lohn und Gehaltsempfängern die unter dem Einfluß des existenten Absolutismus das reflektieren auf Basis, These, Prinzip oder sogar stinknormale Denkprozesse im eitlen Morast der Arroganz ersticken lassen.

Ohne einem Modell, System oder Konzept boomt die wirtschaftliche Talfahrt die am Papier retuschiert, beschönigt und so, de facto in reziproker Korrelation zur adäquaten Situation, an die, mit Verlaub gesagt, rechten Wegbegleiter unseres Souveräns überantwortet werden. Die unbändige Wut in mir wächst von Tag zu Tag und schnürt mich zu wie eine zu eng gebundene Krawatte die ich aufreißen möchte um meinen Zorn in alle Welt hinaus zu schreien. Hinaus zu schreien die Fragen „Sind denn alle um uns versammelten und ach so wichtigen Befehlshaber wirklich nur Laufburschen oder sind sie mit Blindheit geschlagen?“ – „Wer vermag diesem tristen Treiben Einhalt gebieten?“ oder „Vielleicht will man ganz einfach belogen werden?“ Das Proletariat, besser noch der Pöbel wird mit dem sinkenden Schiff untergehen aber wie wollen die Ratten ihren Hals aus dieser Schlinge ziehen, die sich stetig enger und enger um ihre Krägen schnürt? Nicht allen, so meine Sehnen, wird dies gelingen und ganz gewiß nicht dem letzten Glied, derer die nicht untergehen, werden sich nicht der Verantwortlichkeit entziehen können und sich über kurz oder lang wieder zu Seinesgleichen, deren Herkunft verleugnend, sie im Status quo nicht wahr haben wollen, gesellen dürfen.

Dessen einsichtig geworden ist Wilhelm Busch vor 100 Jahren und schrieb es auf, wie treffender es kaum zu formulieren ist: Wenn einer, mit Mühe kaum, geklettert ist auf einen Baum, schon glaubt daß er ein Vogel wär‘, so irrt sich der. Zitat Ende

Voll Hoffnung vertraue ich auf eine mir unbekannte höhere Gerechtigkeit in den Genuß – wer auch immer – kommen mag.