Wann ist es genug

Seit der Mensch ist auf die Welt gestiegen,
lebt er, nicht einfach, nicht gediegen,
will zwar im Schoße der Natur sich wiegen,
will aber bis zur Sonne fliegen,
will Zeit und Raum gar biegen,
will die Ebbe und die Flut besiegen,
will vor allen ander’n an der Spitze liegen,
hat der Mensch denn nie genug vom “Kriegen”?

Bitterer Lohn

Eine Firma wird verwaltet und erhalten,
von Menschen, jungen und auch alten,

doch jede einzelne Person,
was zählt die für die Firma schon?

So wollen wir ‘nen Mann besehen,
und was mit ihm geschehen;

täglich er zur Arbeit geht,
sein Handwerk wohl versteht,

war immer pünktlich, kam nie zu spät,
hat jeden morgen Freundlichkeit gesät,

in langer Jahre Arbeit war er niemals krank,
nur selten er ein Gläschen trank,

eifrig ist er da gesessen,
hat nicht geraucht und nicht gegessen,

er hatte nicht das “Sagen”,
doch die Verantwortung getragen,

von hoher Stelle das Vertrau’n genossen,
hat der Vorstand nun beschlossen,

er muß geh’n,
er wird es schon versteh’n.

Gesenkten Hauptes tief gebückt,
ein letztes mal den Stuhl zum Tisch er rückt,

sagt kein Wort und keinen Ton,
ist gramgebeugt wen kümmert’s schon,

steht sich nicht ein, daß er verzagt,
hat einen Advokat befragt,

niemand läßt sich gern verjagen.
Ist er zu teuer, soll er klagen?

Muß die Folgen er alleine tragen?
Stellt sich Fragen über Fragen.

Die Firma hat ihn hintergangen,
will er sie belangen?

Was ist zu erwarten,
die Firma hat die bess’ren Karten,

betteln um einen neuen Posten,
erneut die Schmach verkosten?

Man wird ihm nicht verzeih’n,
läßt abermals ihm Schande angedeih’n,

wie wird enden die Geschicht’,
wird er verlieren sein Gesicht?

Eigentlich ist’s klar,
weil er vom Chef kein Freunderl war,

weil er nicht gekrochen,
haben sie mit ihm gebrochen,

weil er nicht mitgeschwommen,
hat Abschied man genommen.

Schoko-Bal-lade

Einst gegossen in die Form,
die Zeit erhob’s zur gült’gen Norm,

früh’rer Tage von einem Mönch entdeckt’,
was jedermann auch gegenwärtig schmeckt.

Ob dem noblen Herr’, ob dem kleinen Kind,
ein Stücklein Schokolade, ganz geschwind,

niemand hat etwas dagegen,
welch ein Segen.

Auch die Damen, an Gewicht schon überschüßig,
werden ihrer niemals überdrüßig.

Was wäre Ostern oder Weihnacht’,
wenn niemand Schokolade hätt’ gebracht,

was schenkt ein Kavallier dem Mäd’l,
zerbricht sich kaum den Schädl,

zum Geburtstag und diversen Jubiläen,
werden Schokoladen schnell mit bunten Maschen noch versehen.

Raucher die dies Laster aufgegeben,
haben’s schwer im weit’ren Leben,

suchen nach Ersatz, und in ihrem streben,
sind so der Schokolade tief ergeben.

Ist das Leben voller Frust,
drückt es gar auf Bauch und Brust,

es wird gesucht nach heilender Arznei,
wobei die Schokolade sicher ist dabei.

Auf jeden Fall ist ein’s bestimmt,
von klein auf werden wir getrimmt,

überreichst du irgend jemand Gaben,
soll der sich d’ran laben.

Also wo ist das Problem,
nichts ist so bequem,

schenk’ einfache eine Bonbonniere,
die gereicht auf jeden Fall dir Ehre,

daß du daran gedacht
und etwas Süßes mitgebracht.

Damen sind doch ständig drauf erpicht,
ob ideal noch das Gewicht.

Warum also Schokolade schenken,
wenn sie sogleich den Blick zur Hüfte senken,

Kann man denn nichts and’res schenken,
einfach einmal praktisch denken?

Außer Blumen und Bonbons,
und außer roten Luftballons,

ergibt sich eine ganze Liste,
beginnt mit einer hölz’nen Werkzeugkiste,

geht bis zur Angelrute,
oder einer tiefgekühlten Pute,

vielleicht ein Taschenmesser,
oder noch viel besser,

einen Thermometer oder Lexikon,
für das Abwaschbecken den Syphon?

Doch bei den meisten kommen Zweifel auf,
legen noch was triviales drauf,

damit es nicht zu wenig oder gar zu klein,
füllt man noch etwas hinein,

man will sich ja nicht lumpen lassen,
es muß doch etwas geben, es muß doch etwas passen?

Vielleicht ein schöner ird’ner Tiegel,
angefüllt mit ein paar – Schokoriegel?

Von Mensch und Tier

Es ist der eine dünn der and’re dick,
unansehnlich oder chic,

ob mit Krawatte oder ärmel aufgekrempelt,
ein jeder wird einmal zum Tier gestempelt,

hör’s fast jeden Tag,
stellt’ mir irgendwann die Frag’,

paßt der Mensch in dies’ Gefüge,
oder ist’s das Tier das ich betrüge?

Es gibt wohl keine Grund,
warum der, der arm ist, ist ein Hund,

und es stört mich ungemein,
daß reich und schmutzig ist ein Schwein,

eine Augenweide ist der Pfau,
genannt wird so die arrogante Frau,

noch eine Frage stell ich jetzt und hier,
läßt sich vergleichen Mensch und Tier?
Trinkt Wasser und kein Bier,
kennt weder Neid noch Gier,
muß nicht lernen am Klavier,
braucht keinen Bleistift, kein Papier,
meßt nicht mit Zahlen weder 1,2,3, noch 4,
begehrt nicht Millionen so wie wir,
trägt keine Schmuck zur Zier’,
hat keine Feinde im Visier,
noch viele Beispiel’ könnt ich nennen Dir.

So frag’ ich jetzt zum dritten mal,
ist Mensch sein nicht die größ’re Qual?

Betrachten wir das Schaf,
steht auf der Alm, gemächlich brav,
braucht nichts als Futter und ein wenig Schlaf,

frißt frisches Gras auf ihrer Weide,
tut keinem Menschen was zu Leide,

die Kuh, der gleiches ist beschieden,
ist glücklich und zufrieden.

Zum letzten mal die Frage mit Bedacht gewogen,
ist’s nicht der Mensch der wird vom Mensch betrogen?

Gleich und gleicher

Es schleicht, unbemerkt, sich ein,
ein Fehler insgeheim,

von höh’rer Stell’ entdeckt,
der mit ärger aufgeschreckt,

weil er den Fehler fand,
zu einem Fleck der Schand’,

wirst du geprägt,
ein Gewitter über dich her fegt,

daß von Hohn und Spott nur strotzt,
aber er mit seiner Klugheit protzt,

oh wie peinlich, oh wie widrig,
nicht fehlerlos zu sein, ist so etwas von niedrig,

denn er ist ohne Fehl’ und Tadel,
gehört er doch zum geist’gen Adel!

Konzerpolitik

Ein Konzern,
der groß ist und modern,

will erzielen mit Getöse,
großen Umsatz, viel Erlöse,

will vermeiden hohe Kosten,
diese müssen rosten,

man spricht von Arbeitskraft,
meint den der Arbeit schafft,

es gibt auch Mitarbeiter,
das sind echte Leistungsstreiter,

bist du erst angestellt,
kriegst du Einblick in die Firmenwelt,

die Kosten, der Gewinn und die Logistik,
sind programmiert nach der Statistik,

deine schwer verdienten Überstunden,
werden nur mit Schmerz verwunden,

viel zu hoch sind die Bezüge,
werden tief gehalten, mit Trug und Lüge,

willst du ein paar freie Tage,
ist das eine heikle Frage,

und erst deine Urlaubstage,
sind eine Riesenplage,

gib besonders Acht vor’m Krankenstand,
der könnte sein dein Kündigungsgarant.

Ganz egal ob du klug bist oder dumm,
die Firma läuft nach folgendem Kriterium:

Ist die Reputation erst richtig,
kommt der Umsatz, der ist wichtig,

Menschlichkeit ist nichtig,
und deshalb verzicht’ ich,

Danke!!

Kündigung

Erst glätten sich die Wogen,
dann überspannt man ihn, den Bogen,
man hat mich belogen,
fühle mich betrogen.

Man hat mich gemolken, wie eine Kuh,
nicht länger sehe ich zu,
ich gehe, standa Pede und partout,
dann ist endlich Ruh’.

Ich gehe heim,
macht euren Mist allein,
ich misch’ mich nicht mehr ein,
werd’ nicht länger euer Teschek sein.

Fingerzeig des Himmels

Endlos ist der Blick in’s Tal,
am Horizont das Licht scheint fahl,

zu des Berges Fuß liegt eine Stadt,
die etwas puppenhaftes hat,

es schlängelt sich ein Fluß, durch die Auen grün,
gewunden wie ein Nähgarn lang und dünn,

Wolken rotten sich zur Schar,
majestetisch und bedrohlich zum Gewitter gar,
die Luft ist prickelnd frisch und klar,

Es nieselt leicht, wird immer heftiger,
es regnet kräftig, immer kräftiger,

der Schauer bildet kleine Bäche,
fließen in des Flußes ruhige Oberfläche,

als würden alle Elemente sich mokieren,
zur Revolte sich gruppieren,

der Wind zersaust mein Haar,
es grollt der Donner laut und unfaßbar,
wortgewaltig, unsichtbar,
und der Blitz, des Himmels Zar,

der mit seinem hellen gleißend’ Licht,
die Luft zerschneidet und durchbricht,

auf die Erde nieder schmettert,
wieder in den Himmel kletter,

legt Zeugnis ab für seine Macht,
hat oft zum Fürchten uns gebracht.

Menschen, flüchtet hin zum Berge Ararat,
die Sintflut uns bald wieder hat!

Viel zu kurz ist’s einmal wieder,
viel zu harmlos fährt der Schreck, in uns’re Glieder,

denn Zeus legt seinen Tacktstock nieder,
die Elemente werden bieder,

das Gewitter sich verdrückt,
sie Sonne lacht verzückt.

Was hilft alle Warnung und Gezeter,
für die Menschen war’s nur schlechtes Wetter.

Vorgeschmack

Hab’ etwas schief gehoben,
einen Wirbel mir verschoben,

kann nicht gerade gehen,
nicht aufrecht stehen,

selbst das Sitzen,
läßt mich schwitzen,

es schmerzt beim bücken,
mich der Rücken,

wenn ich mich dreh’,
tut’s höllisch weh,

ganz zu schweigen,
von sich auf die Seite neigen.

Will Brot und Milch mir kaufen,
schnell ins Geschäft hinunter laufen,

schon um die Schuh’ zu binden,
muß ich mich verwinden,

und von laufen keine Spur,
wenn der Rücken bockig ist und stur,

mein Wunsch nach Milch hat mir beschert,
meinen Einkauf mir erschwert,

weil sie begehert, weil sie beliebt,
nur im untersten Regal sie gibt,

komm nicht d’ran, komm nicht hin,
weil so lediert ich bin,

schaff es doch mit Müh’ und Not,
hol mir noch ein Stückchen Brot,

will’s nach Haus’ in einer Tasche tragen,
doch ich muß um Hilfe fragen,

wer sie mir vom Boden hebt,
hab’ noch nie solch’ Qual erlebt,

kleinen Schrittes, Stück für Stück,
leg’ ich meines Weg’s zurück,

freu’ mich nach jeder Stiege,
die ich mit Kampf besiege,

in ein paar Wochen bin ich wieder g’sund,
der Rücken stramm und rund.

Bin ich erst ein alter Mann,
von 100 Jahr’, was ist dann?

Jeder Handgriff, ganz egal,
ob schwierig, ob banal,

erfordert Kraft und Mut,
wird fordern den Tribut,

den ich der Gesundheit nicht gezollt,
weil das Laster lieber ich gewollt.