Verloren

Aus den langsam wachsenden und nur schwer wieder aufzuforstenden Zedern des Libanon entstehen Tische, Sessel und Souvenirs. Um das gerodete Land tobt seit Jahrzehnten ein, wieder jeder andere auch, unverständlicher Krieg.

Auf den Flächen der Jahrhunderte alten Olivenhaine der Costa del Sol und der immer weiter zurückgedrängten Pinien von Aquitanien sind Finkas, Haziendas, und Residenzen entstanden jede für sich eingemauert in betonierte Zäune in denen die Swimmingpools gefüllt werden mit den letzten Topfen des durch die gewaltsame Kastration der Natur ohnehin vertrockneten Landes.

Die dereinst genußvolle Konsumation einer Bouillabes kredenzt mit herrlich frisch duftendem, reschem Baguette im idyllischen Hafen von Marseille ist überschattet, geprägt vom Bild der illegalen Straßenhändler die sich hier ein besseres Leben erhofften, aber nicht geduldet sind und sich aus Not in die Kriminalität flüchten – somit die großartige Fischsuppe nur mit einer Hand gegessen werden kann, denn die Andere sollt auf der Brieftasche verweilen.

Dahingegangen sind die Badefreuden an der Adria dessen anteiliges Land zur linken zerbombt, ausgebrannt und wirtschaftlich am Ende am Boden darnieder liegt, während zur Rechten die Überfüllung der einer Sardinendose den Rang abläuft, man denken könnte das es keine nationale Währung gibt und man die Speisenkarte in allen Sprachen vorfindet nur nicht in der des Landes, dessen typischen Speisen schwerer zu finden sind als die berühmte Nadel im Heuhaufen.

So atemberaubend das Bild der Küsten Mallorcas einmal gewesen sein möge, was ist geblieben vom weißen Sand, blauem Meer und wild gewachsenen Palmen? Cola Bacardi, Wodka Juice – schlimmer – Eisbein, Weißwurst und eine Maß Löwenbräu, Pallermann und Scharen an Besoffenen die einzig dem Fortpflanzungstrieb folgend und das Land verdreckende …… Menschen(?).

Wie hoch muß man klettern um frisches Wasser aus einem Gebirgsbach bedenkenlos trinken zu können? Bis zur Baumgrenze? Noch höher? Dorthin wo das Edelweiß wächst? Nein, so hoch kann man heutzutage bequem mit dem Auto fahren, und wenn man das kann, wie sauber ist das Wasser dann dort noch? Und finde ich das Edelweiß dann noch? Und wenn ich es gefunden habe, muß man es dann pflücken? Ist die Freude an der lebendigen Pflanze als Zeuge für die einmaligen Überlebenskünste dieses Gewächses denn nicht größer als die, es getrocknet und gepreßt in einem Buch in dem Augenblick in dem man das Buch zugeklappt hat zu vergessen?

Dies gilt immer nur für andere nie für einem selbst obwohl der Lebensraum der Natur täglich enger wird, nämlich um so viel wie täglich vom Menschen akquiriert und zubetoniert wird um eigenen Lebensraum zu schaffen, zuzüglich dessen was nicht notwendiger weise vernichtet wird. Wie lange wird es den Regenwald in Brasilien noch geben? Oder wie groß ist die Wahrscheinlichkeit, daß sich der Mensch in die eigenen Lunge sticht und damit unzählige Arten unwiederbringlich aus dem Buch des evolutionären Lebens streicht.

Vielfach bestätigt durch den kaum mehr existierenden majestätischen indischen Tiger, der abfällig als Menschenfresser hingestellt, nicht zuletzt aber wegen seines begehrten Felles skrupellos abgeschlachtet wurde.

Ebenso scheint es, hat sich der Mensch zur Aufgabe gestellt sich großen mächtigen Tiere, in einem Anfall oder Wahn an Selbstbestätigung nach dem Motto ich bin der Größte, Klügste, Stärkste und der Beste, emotionslos hinzumorden. Sei’s bewiesen an den größten der Elemente. Zu Wasser der Blauwal, zu Lande der afrikanische Elefant und in der Luft der Stein- oder Seeadler und der Kondor.

Ob Tran, Elfenbein, die Feder, die Trophäe, die Lust am töten oder der kommerzielle Nutzen für mich ist es in allen Fällen entweder dumme, süffisante Überheblichkeit – süffisante, überheblich Dummheit oder überhebliche, dumme Süffisanz.

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