{"id":277,"date":"2010-11-10T15:05:07","date_gmt":"2010-11-10T14:05:07","guid":{"rendered":"http:\/\/www.philodex.net\/blog\/?p=277"},"modified":"2010-11-10T15:05:07","modified_gmt":"2010-11-10T14:05:07","slug":"erstickt","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.philodex.com\/lit\/erstickt\/","title":{"rendered":"Erstickt"},"content":{"rendered":"<p>An tausend Meetings habe ich Teil genommen. Tausend mal unbefriedigt von Dannen gegangen. Weil, tausend mal wurde geredet. Tausend mal wurde nichts entschieden. Tausend mal habe ich versucht etwas zu erreichen. Tausend mal bin ich abgeblitzt. Tausend und ein mal zu l\u00e4stig gewesen, mu\u00df ich die Firma verlassen und friste, \u00fcbergl\u00fccklich \u00fcber meine Befreiung, die letzten Tage meines Daseins.<\/p>\n<p>Aus der Gemeinschaft, in der jeder sein eigenes S\u00fcppchen kocht, ausgesto\u00dfen, sitze ich anteilnahmslos abseits der klugen K\u00f6pfe, lausche deren klugen Worte und den einleitenden, l\u00e4hmenden Floskeln vom vorsitzenden Direktor.<\/p>\n<p>Es beginnt das Meeting mit den &#8222;sehr dringenden&#8220; Tagesordnungspunkten, die explizit abgehakt werden und im Protokoll f\u00fcr n\u00e4chste Woche als &#8222;\u00e4u\u00dferst dringend&#8220; Eingang finden. Danach werden die &#8222;dringenden&#8220; Punkte f\u00fcr das folgenden Meeting in die Kategorie &#8222;sehr dringend&#8220; verschoben. Die aber vom letzten Meeting noch \u00fcbrigen &#8222;\u00e4u\u00dferst dringenden&#8220; Angelegenheit werden als nicht mehr aktuell, alter Hut, schon tausend mal besprochen, fast erledigt oder aber, als ein gesondert oder bilateral zu erledigender Gegenstand aus dem Akt gestrichen, und wir kommen zum Schlu\u00df, zu &#8222;Allf\u00e4lliges&#8220;.<\/p>\n<p>So verfolge ich den nie enden wollenden Kreislauf der Widerspr\u00fcchlichkeiten. Die behandelten Themen sind wie ein perpetuum mobile die von imagin\u00e4ren Antrieb gesteuert immer wieder Einla\u00df in den gedankenleeren Raum finden, schwerelos von Kopf zu Kopf schweben und am Ende wieder in eine inaktive Umlaufbahn geschickt werden wo sie auf eine neue Chance der Erledigung warten. Wie ein Atomkern der von seinen Teilchen umkreist wird, tagen im Zentrum die Entscheidungstr\u00e4ger, umgeben von den zum Rotieren verdammten Verdikten, die auf das F\u00e4llen eines Urteils zur Befreiung warten. Das Atomgewicht nimmt durch die hohe Zahl an Teilchen immer und immer mehr zu, wird h\u00f6her und h\u00f6her, so da\u00df der Kern unter den kreisenden Elementen mangels Lichteinfall und Sauerstoffzufuhr elendiglich zugrunde geht.<\/p>\n<p>Der Kern aber ist der Kopf des Betriebes, der ohne Gehirn nicht lebensf\u00e4hig ist. Und so geht&#8217;s konstant, linear und flach aber immerw\u00e4hrend talw\u00e4rts. Schade!<\/p>\n<p>Gott sei Dank, mu\u00df ich an keinem dieser unsinnigen Agglomerationen an Spr\u00fccheklopfern mehr teilnehmen, kann frei und unbek\u00fcmmert, tief und fest einatmen!<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>An tausend Meetings habe ich Teil genommen. Tausend mal unbefriedigt von Dannen gegangen. Weil, tausend mal wurde geredet. Tausend mal wurde nichts entschieden. Tausend mal habe ich versucht etwas zu erreichen. Tausend mal bin ich abgeblitzt. 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