Original oder Echt

Ein Lehrling schlicht, er rührte und mixte,
erfand eine Torte, doch eine verflixte,

vorgesetzt, dem hohen Herrn von Metternich;
„Ein Gedicht, wie ist die Rezeptur“ so sprich,

doch diese hält er wohl geheim,
hoffend, zu gefunden aller Weisen Stein.

So begann der Siegeszug
der Torte, die einen Namen um die Erde trug,

nach dem Lehrling wurde sie benannt,
ist heute auf der ganzen Welt bekannt,

Sacher, so hieß der junge Mann,
bandelte mit Fräulein Demel an,

gab ihr heimlich, unterm Tisch,
die Rezeptur, noch ofenfrisch.

Beide stellen sie vom diesem Tag an her,
doch eine Kleinigkeit wiegt schwer,

und fehlt zum vollem Glanz,
ist sie nun durchgeschnitten oder Ganz.

das Sacher heut‘ noch mit dem Demel streitet,
auf welche Art gehört sie zubereitet?

Die Frage stellt sich wohl mit Recht,
welche ist nun wirklich „Echt“.

k. u. k. Hofzuckerbäcker

Die ganze Welt umspannt der Ruf,
den Christoph Demel als Konditor schuf.

Seines Schaffens Wiege stand in dem Palais,
daß noch heut‘ erfüllt vom Duft von Backwerk und Kaffee,

dort wo sein Name in gold’nen Lettern blinkt;
wo des Zuckerbäckers Ruhm, dem wir vertrauen,

der Küche Künste, wir erschauen,
zu unserer Gäste Wohl herniedersinkt.

Ist, wo, obwohl der Zahn der Zeit gewütet,
seine Rezepturen wurden wohl behütet,

wo fleißig eitle Zuckerbäcker,
backen Süßes fein und lecker,

wo die Köche neben Konditoren,
garen, sieden, dämpfen, schmoren,

dort wo gebacken und gekocht in einer Qualität,
die schon Jahrhunderte besteht,

wo von der Backstub‘ strömt ein lieblich‘ Duft,
versüßt im ganzen Haus die Luft,

dort wo tagein tagaus seit vieler Jahr‘,
man alles trifft – vom Bürger bis zum Zar,

vorbei ritt einst der Kaiser, auf edlen Rappen,
wo heut‘ noch hängt des Demel’s Wappen,

Am Kohlmarkt stand’s und steht’s noch heute,
es ist das Haus mit N° 14, liebe Leute.

Kaffeehaus die Dritte oder 3. Die Torte

Es bedarf nicht vieler Worte,
jeder weiß was eine Torte.

Das Kapitol der Tortenwelt ist Wien,
die Sachertorte ihre Königin,

die Torte aus dem Imperial,
ist der Königin Gemahl,

dessen Sproß ist die Prinzeß,
sie ist die Comtess,

Um die Qualität zu heben,
um die Vielfalt zu beleben,

in der Tortenwelt, der Süßen,
liegen noch zu ihren Füßen,

Topfen, Nuß und die Souffle,
Mandel, Kirsch, St. Honore,

Hofburgtorte, Linzer – Burgtheater,
Trüffel und Cassata,

Torten aus der ganzen Welt,
haben sich nach Wien gesellt,

hier aufgenommen, ohne zu verändern,
leben Torten hier, aus allen Herren Ländern,

die Malakoff verdanken wir den Zaren
die Doboschtorte den Madjaren,

die Esterhazy ist aus Ungarn ebenso,
der Zigeuner Torte, die von überall und nirgendwo,

mit Schlag und Eis gefüllter Wind,
ist der Spanier berühmtes Kind,

die Fächertorte, Schicht für Schicht,
ein jiddisches Gericht,

Orleon und Alliance,
welche Frage – Made in France.

die mit Gemüse wird bereitet, dann und wann,
aus Schweden stammt der Apfelflan,

Gekrönte Häupter, Aristokraten,
Männer die vollführten Heldentaten,
sind so mancher Torten Paten,

Napolen ist wohl bekannt,
eine Torte wurd‘ nach ihm benannt,

andere nach Mozart dem Genie,
der königlichen Stefanie,

dem Maximilian zu Ehren,
dem Bismark kann man’s nicht verwehren,

endlos ist die Zahl an Sorten,
die es gibt an guten Torten,

ob rund ob eckig,
flaumig oder speckig,

hab‘ bis heute keinen kennen gelernt,
der nicht für irgend eine Torte schärmt.

Alles nur Theorie

Es wäre zwar nicht ideal,
wir nehmen an, gesetzt den Fall,

es wird gekauft von einem Bank Koloß,
der Demel, der berühmt und groß.

Kaufen Haus und Hof, mit den Worten,
jetzt gehör’n sie uns, die Sachertorten,

finden noch dazu in einer Lade:
„Wie erzeug‘ ich beste Schokolade“,

noch von Christoph’s Hand geschrieben,
das hat alle Banker aufgerieben,

eine Schokolade, noch von Hand gemacht,
da sind die Banker aufgewacht,

sehen nur das Geld, in den Augen Dollarzeichen,
stellen sie sofort die Weichen,
wollen großen Ruhm erreichen,

mit der Schokolade die solang versteckt,
die zum Leben wird erweckt.

Sie wird schön verpackt und eingewickelt,
weil das Geld schon in den Händen prickelt,
wird sogleich das Markting entwickelt.

Am Schokohimmel soll sie steigen, wie ein Komet,
wollen sie verkaufen, rund um den Planet‘.

Doch seltsam ist der Weg,
und verworren, den Bank hier geht,

damit es wird ein Renner,
suchen sie die richt’gen Mittelsmänner,

der eine will’s erzeugen und vertreiben,
doch die Bank will das Rezept nicht zeigen,

and’ren die Kontakte kennen,
dürfen nicht des Demel’s Namen nennen.

In einem Katalog ein Bild,
vor dem Geschäft ein Schild,

ist auf keinen Fall gefragt,
wird dringendst untersagt.

Es kann nur einen Demel geben,
nur in diesem darf die Schokolade leben.

So die alte Neue zu vermarkten ist prekär
unter solch‘ Prämissen wirklich sehr.

Die Demel Schokolade, diese Nachricht muß hinaus,
sonst schaut am End‘ kein Reibach raus,

doch niemand darf die Kunde weitertragen,
obwohl, den Umsatz will man haben.

So tief ich grab‘ so lang ich such‘,
fand nichts als Wiederspruch,

und so liegt sie wieder da, die Schokolade,
in der alt verstaubten Lade.

Liegt’s an den Personen in der Bank?
Ist das Regiem denn wirklich krank?

Am Ende blieb er aus, der Erfolg den sie gerochen,
gut das alles nur, hypothetisch ist gesprochen.