Prüfung zum Hr. Ober

PRÜFER:

Um den ehrenwerten Beruf eines Wiener Kaffeehauskellners zu ergreifen, sprich ein „Ober“ zu werden muss ich sie einer sehr strengen Prüfung unterziehen. Ich hoffe sie sind alle gut vorbereitet und haben sich zu unserem heutigen Thema den Wiener Kaffeespezialtiäten auch ang’schaut wie’s zubereitet werden.

Beginnen wir mit dem Hr. Ferdinand.

FERDINAND:

(eilenden Schrittes) G’schamster Diener . . .

PRÜFER:

Immer schön grantig bleiben und nicht zu freundlich werden  und a „Gnä‘ Frau oder Herr“ hinten nach wär’ noch besser, wie sich’s halt g’hört für einen Ober.

Also, Ferdinand, sagen Sie mir: was ist eine „Weisse“, mehr „licht“ mit „Schlag“?

FERDINAND:

(selbstbewusst) Ein „Weisse, mehr licht mit Schlag“ ist beinahe dasselbe wie eine „Kaffee Verkehrt“ mit weniger Milch“ nur eben natürlich mit Schlag, aber genau genommen ist es eine Melange mit mehr Milch und Schlag statt dem Milchschaum.

PRÜFER:

Sehr brav, setzen.

So, Hr. Ludwig, was ist eine „G’streckter“?

LUDWIG:

(unsicher, fragend) Ein… ein… eine „Melange“ ohne Schaum mit Obers.

PRÜFER:

Ganz falsch!

Was sie mir da beschreiben ist ein Franziskaner ohne Schokostreusel.

Na sag’s mir halt was ein Fiaker ist

LUDWIG:

Ein geeister starker Mokka im Laufglas mit Maraschino, Gewürzen und flüssigem Zucker mit einem Eiswürfel.

PRÜFER:

Schon wieder falsch – das ist ein Mazagran, ein Fiaker wird auch Kaffee Kirsch genannt und ist ein doppelter Mokka mit Kirschwasser und Zucker verrührt, mit einer Schlagobershaube garniert und im Einspännerglas serviert.

Traurig wenn’s das net wissen und eine Schand’ für ihren Berufsstand – setzen!

Franz sagen’s mir ein paar Maßeinheiten für Kaffee?

FRANZ:

Die Kleinste ist die Nuss oder Nussschale, die wir als Mokkatasse kennen, gefolgt vom Pikkolo, etwa anderthalb Nussschalen groß, und dann kommt die Teeschale. Das Laufglas ist ein hohes, dickes Glas, das Einspännerglas …

PRÜFER:

(winkt ab) pass schon, hervorragend, so stell ich mir das vor!

Ludwig geh’ sag sie mir wenn ich einen Mokka möchte mit Obers, was bringen sie mir dann?

LUDWIG:

Eine Schale Braun, oder wenn’s a’ bisserl mehr Obers sein darf dann eine Schale Gold, oder für mehr dunkel tät ich ihnen einen Schale Nuss anbieten.

PRÜFER:

Warum bringen’s mir net einfach einen kleinen Braunen?

LUDWIG:

Weil der kleine Braune mit Milch ist und nicht mit Obers

PRÜFER:

Sehr richtig so g’fallt es mir – so soll es sein.

Geh’ Hr. Ferdinand kommen’ noch einmal vor

Erklär’ns mir was der Unerschied ist zwischen einem Obermayer und einem überstürzten Neumann?

FERDINAND:

(ein wenig unsicher) Beim „Neumann“ kommt Schlagobers in eine leere Kaffeeschale, und wird dann mit einem Mokka “überstürzt”, drum heißt er ja „Überstürzter Neumann“ und beim „Obermayer“ is es eher umgekhrt könnt ma‘ sag’n.

Des Obers schwimmt auf dem schon gesüßten Mokka und wird auch nicht umgerührt, weil man den heißen Mokka durchs kalte Obers trinkt.

PRÜFER:

Na, brauchen’s net nervös sein, war eh‘ alles richtig. Danke.

Geh’ Hr. Franz noch eine Frage für sie.

Können’s mir vielleicht auch noch ein bisserl was über die „Melange“ erzählen? Ich weiß das ist ein sehr schwere Frage, aber versuchen sie’s halt einmal

FRANZ:

Eine Melange ist ein Mokka in einer Pikkolotasse mit heißer Milch, die mit ein wenig Obers versetzt ist, zur Gänze aufgegossen. Das ergibt eine Mischung „Melange” halb Milch und halb Kaffee die mit einer Milchschaumhaube vollendet wird.

Aufpassen muss man ob die Bestellung mit “mehr licht” oder “mehr dunkel”, oder mit “ohne” ergänzt wird. Da geht’s um den Milchschaum.

Ausserdem kann die Melange „mit Haut“, „mit Schlag“, „mit ohne“, „passiert“,  . . .

PRÜFER:

Brav, passt schon, ich glaub aus ihnen wird noch einmal was.

Ludwig, für Sie noch eine Frage, weil‘s voher so nervös war‘n. Was is als dann „ein Brauner“?

LUDWIG:

(wieder nervös) Ein Brauner ist …, ein Brauner …

PRÜFER:

Was? Das wissen‘s auch nicht? Passen‘s auf: Ein „Brauner“ ist manches Mal ein „Kleiner“ und manches Mal ein „Großer“ —

LUDWIG:

(fällt ins Wort): Bitt schön ich weiß schon: Der „Braune“,  ist ein einfacher oder ein doppelter Mokka mit „Milch“, nicht mit „Obers“, weil die „Schale Braun“, ist ein Mokka mit „Obers“ nicht mit „Milch“, weil sonst wär’s ja ein Brauner.

PRÜFER :

Sehr richtig, und das dürfen’s nie verwechseln.

Was ein „Maria Theresia“, eine „Einspänner“, ein „Doppelmokka, gespritzt“ ist, wissen’s ja hoffentlich.

. . . Fortsetzng folgt

Kaffeehaus die Zweite oder Die Kaffeespezialitäten

An diesen ganz besond’ren Orten,
gibt’s unendlich viele Sorten,

wie Kaffee bereitet und serviert,
wie entsteht und wie brilliert,

der Kaffee und seine Spezialitäten,
mal seh’n was wir da alles hätten.

Schwarz ist der Kaffee wie wir ihn kennen,
bleibt er so, den „Mokka“ wir ihn nennen,

die Milch, die gibt den braunen Ton,
nur ein paar Tropfen, s’ist ein „Franziskaner“ schon,

mit ein paar Tropfen mehr,
stellt man den „Kapuziner“ her,

auch halb und halb ist sehr beliebt,
so gemischt es die „Melange“ ergibt.

ist überwiegend Milch gefragt,
„Kaffee Verkehrt“ bestimmt behagt,

der will selber mischen den Kaffee,
bestellt ganz einfach „Separeè“.

Es ist nicht die Milch allein,
die man mischt in den Kaffee hinein,

Die große und die kleine „Schale Nuß“,
ist gefärbt mit Obers, nur ein Schuß.

Der kleine „Mokka g’sprizt“,
dir deine Laun‘ erhitzt,

noch dazu gut schmeckt,
weil, er ist mit Rum gestreckt.

Verfeinert mit Likör aus der Orange,
ist recht gängig in der Branche,

ist benannt nach einer Kaiserin,
„Maria Theresia“ so hieß die Namensgeberin.

Mit Kirschenschnaps bekommt er Geist,
„Fiaker“ er jetzt heißt,

wird er noch geeist,
mit Zucker leicht gespeist,

in eine Glas gefüllt sodann,
jetzt heißt der „Mazagran“.

Ein kleiner Mokka in ein Glas,
darüber Schlag, ein gutes Maß,

ist ein weit’rer Renner,
so gekocht wird der „Einspänner“,

gibst du noch Kaffee darauf,
schon ist es ein „Lauf“.

Wird der Weinbrand und der Zucker erst entflammt,
mit Kaffee gelöscht, „Bruliot“ genannt.

Die „Kaiser – Melange“ die sogenannte,
ist eine oft verkannte,

wenn bemerkt wird mit Gestotter,
das Weinbrand, Honig und vom Ei der Dotter,

sind darin enthalten,
wenn sie bereitet nach der Rezeptur, der Alten.

Mehr als reichlich ist die Zahl,
der Spezialitäten die zur Wahl,

nur wer wirklich ist gewitzt,
kennt auch „Konsul“, „Obers g’spritzt“,

den „Obermaier“, „Cafe Creme“,
dem ist auch der „Eiskaffee“ genehm,

wird sich am „Rüdesheimer“ laben,
obwohl ein „Türkischer“ zu haben,

für den ist auch zum guten Schluß,
der „Pharisäer“ mehr als nur ein Terminus.

Kaffeehaus die Erste oder die Erklärung

Das Kaffeehaus, von den Türken uns beschert,
ist jedem Wiener lieb und wert,

daraus entstanden ist die Zuckerbäckerei,
die dem Wiener alles, nur nicht einerlei,

keiner will darauf verzichten,
also lasset mich berichten.

Ob Minister oder Gauner,
bei Heiner, Gerstner oder Zauner,

ebenso bei Sperl oder Landmann,
trifft man Hausbesorger oder Amtmann,

sogar die Herr’n vom Weißen Haus und Kreml,
besuchen Sacher oder Demel.

Nehmen Platz in kleinen Nischen,
die bestückt mit runden Tischen,

nicht alleine der Getränke wegen,
ist das Kaffeehaus so ein Segen,

es hat schon fast das Monopol,
auf Pool Billard und Karambol,

es wird Schach gespielt und tarockiert,
laut und heftig diskutiert,

weil in der Zeitung steht Kritik,
an Wirtschaft, Sport und Politik.

Gemütlichkeit wird groß geschrieben,
Würfel über’s Brett getrieben,

Dichtung wird kreiert,
Lieder komponiert,

doch zumeist, wird nur getrunken und gespeist,
Menschen die die Welt bereist,

verkünden Aktuelles und Geschichten,
and’re lauschen den Berichten,

ob Wahrheit, Märchen oder Sage,
ist in keinem Fall die Frage,

Geselligkeit hat großen Wert,
ist beim Wiener höchst begehrt,

so ist der Wiener von Natur,
erhebt’s Kaffeehaus zur Kultur,

und das ist nicht gelogen,
auch nicht überzogen,

denn es bedarf nicht vieler Worte,
was wär‘ ohne Schlag die Sachertorte,

was wär‘ ohne Schaum das Bier,
ohne Tasten das Klavier,

ohne Wasser der Matrose,
ohne Käse der Franzose,

was wär‘ ohne Tintenfaß der Federkiel,
und derer Beispiel gäb‘ es viel,

es gäb ohne Frack kein‘ Diener,
und kein Kaffeehaus ohne Wiener,

klar liegt auf dem Tisch,
das Kaffeehaus, ist und bleibt, echt wienerisch.