Prüfung zum Hr. Ober

PRÜFER:

Um den ehrenwerten Beruf eines Wiener Kaffeehauskellners zu ergreifen, sprich ein „Ober“ zu werden muss ich sie einer sehr strengen Prüfung unterziehen. Ich hoffe sie sind alle gut vorbereitet und haben sich zu unserem heutigen Thema den Wiener Kaffeespezialtiäten auch ang’schaut wie’s zubereitet werden.

Beginnen wir mit dem Hr. Ferdinand.

FERDINAND:

(eilenden Schrittes) G’schamster Diener . . .

PRÜFER:

Immer schön grantig bleiben und nicht zu freundlich werden  und a „Gnä‘ Frau oder Herr“ hinten nach wär’ noch besser, wie sich’s halt g’hört für einen Ober.

Also, Ferdinand, sagen Sie mir: was ist eine „Weisse“, mehr „licht“ mit „Schlag“?

FERDINAND:

(selbstbewusst) Ein „Weisse, mehr licht mit Schlag“ ist beinahe dasselbe wie eine „Kaffee Verkehrt“ mit weniger Milch“ nur eben natürlich mit Schlag, aber genau genommen ist es eine Melange mit mehr Milch und Schlag statt dem Milchschaum.

PRÜFER:

Sehr brav, setzen.

So, Hr. Ludwig, was ist eine „G’streckter“?

LUDWIG:

(unsicher, fragend) Ein… ein… eine „Melange“ ohne Schaum mit Obers.

PRÜFER:

Ganz falsch!

Was sie mir da beschreiben ist ein Franziskaner ohne Schokostreusel.

Na sag’s mir halt was ein Fiaker ist

LUDWIG:

Ein geeister starker Mokka im Laufglas mit Maraschino, Gewürzen und flüssigem Zucker mit einem Eiswürfel.

PRÜFER:

Schon wieder falsch – das ist ein Mazagran, ein Fiaker wird auch Kaffee Kirsch genannt und ist ein doppelter Mokka mit Kirschwasser und Zucker verrührt, mit einer Schlagobershaube garniert und im Einspännerglas serviert.

Traurig wenn’s das net wissen und eine Schand’ für ihren Berufsstand – setzen!

Franz sagen’s mir ein paar Maßeinheiten für Kaffee?

FRANZ:

Die Kleinste ist die Nuss oder Nussschale, die wir als Mokkatasse kennen, gefolgt vom Pikkolo, etwa anderthalb Nussschalen groß, und dann kommt die Teeschale. Das Laufglas ist ein hohes, dickes Glas, das Einspännerglas …

PRÜFER:

(winkt ab) pass schon, hervorragend, so stell ich mir das vor!

Ludwig geh’ sag sie mir wenn ich einen Mokka möchte mit Obers, was bringen sie mir dann?

LUDWIG:

Eine Schale Braun, oder wenn’s a’ bisserl mehr Obers sein darf dann eine Schale Gold, oder für mehr dunkel tät ich ihnen einen Schale Nuss anbieten.

PRÜFER:

Warum bringen’s mir net einfach einen kleinen Braunen?

LUDWIG:

Weil der kleine Braune mit Milch ist und nicht mit Obers

PRÜFER:

Sehr richtig so g’fallt es mir – so soll es sein.

Geh’ Hr. Ferdinand kommen’ noch einmal vor

Erklär’ns mir was der Unerschied ist zwischen einem Obermayer und einem überstürzten Neumann?

FERDINAND:

(ein wenig unsicher) Beim „Neumann“ kommt Schlagobers in eine leere Kaffeeschale, und wird dann mit einem Mokka “überstürzt”, drum heißt er ja „Überstürzter Neumann“ und beim „Obermayer“ is es eher umgekhrt könnt ma‘ sag’n.

Des Obers schwimmt auf dem schon gesüßten Mokka und wird auch nicht umgerührt, weil man den heißen Mokka durchs kalte Obers trinkt.

PRÜFER:

Na, brauchen’s net nervös sein, war eh‘ alles richtig. Danke.

Geh’ Hr. Franz noch eine Frage für sie.

Können’s mir vielleicht auch noch ein bisserl was über die „Melange“ erzählen? Ich weiß das ist ein sehr schwere Frage, aber versuchen sie’s halt einmal

FRANZ:

Eine Melange ist ein Mokka in einer Pikkolotasse mit heißer Milch, die mit ein wenig Obers versetzt ist, zur Gänze aufgegossen. Das ergibt eine Mischung „Melange” halb Milch und halb Kaffee die mit einer Milchschaumhaube vollendet wird.

Aufpassen muss man ob die Bestellung mit “mehr licht” oder “mehr dunkel”, oder mit “ohne” ergänzt wird. Da geht’s um den Milchschaum.

Ausserdem kann die Melange „mit Haut“, „mit Schlag“, „mit ohne“, „passiert“,  . . .

PRÜFER:

Brav, passt schon, ich glaub aus ihnen wird noch einmal was.

Ludwig, für Sie noch eine Frage, weil‘s voher so nervös war‘n. Was is als dann „ein Brauner“?

LUDWIG:

(wieder nervös) Ein Brauner ist …, ein Brauner …

PRÜFER:

Was? Das wissen‘s auch nicht? Passen‘s auf: Ein „Brauner“ ist manches Mal ein „Kleiner“ und manches Mal ein „Großer“ —

LUDWIG:

(fällt ins Wort): Bitt schön ich weiß schon: Der „Braune“,  ist ein einfacher oder ein doppelter Mokka mit „Milch“, nicht mit „Obers“, weil die „Schale Braun“, ist ein Mokka mit „Obers“ nicht mit „Milch“, weil sonst wär’s ja ein Brauner.

PRÜFER :

Sehr richtig, und das dürfen’s nie verwechseln.

Was ein „Maria Theresia“, eine „Einspänner“, ein „Doppelmokka, gespritzt“ ist, wissen’s ja hoffentlich.

. . . Fortsetzng folgt

Kommandieren

Kommandiert wird von demjenigen der die Befehlsgewalt nicht nur besitzt, sondern auch skrupellos ausnützt. Daß er sich damit aber selber tief ins eigene Fleisch schneidet bemerkt er nicht. Er dirigiert seine Untergebenen wie einen Chor dem er vorsteht, beherrscht mit forschem Ton und diktiert seinen Willen. Ob sinnvoll oder -los ist nur von peripher Bedeutung, denn sein Geheiß ist Gesetz. Daß er mit den erlassenen Vorschriften nur die Abkapselung der Unterdrückten erreicht ist nicht essentiell, denn einzig das Anweisen von Geboten und das Vorschreiben von Auflagen stärkt das Ego des dominierenden Gebieters, der sich in seiner Welt des anordnen, lenken, lotsen und steuern, beim Erteilen von Auflagen wohl fühlt und sich in seiner paranoiden Scheinwelt in Sicherheit wiegt. Er erzielt damit keinerlei Erfolg, denn man kann Freundlichkeit nicht auferlegen, Kreativität nicht befehlen, einem gut eingespieltem Team nicht vorsitzen, auf keinem Fall gute Ideen leiten und schon gar nicht eine positive Einstellung reglementieren.

Delegieren

…ist das Beauftragen oder das in Verwaltung geben von zur Ausarbeitung notwendigen Aufgaben an Mitarbeiter, die durch das betraut werden solcher Anforderung sich reich beschenkt und nicht abfällig behandelt fühlen. Im Gegenteil, sie wachsen mit der Ermächtigung zugeteilter Verantwortung die an sie abgegeben wird, geben gerne ihr Bestes und erreichen ausgezeichnete Ergebnisse. Plötzlich senden sie, durch das Ernennen zum Zuständigen, originelle Ideen, kreative Gedanken, phantasievolle Einfälle an weitere Mitarbeiter denen sie sich anvertrauen, berufen diese zu ihren Mitstreitern und händigen diesen gerne wertvolle Informationen aus, denen sie ohne dem überantworten von Pflicht niemals Achtung geschenkt hätten. Wie beim Wildwasserpaddeln, setzten sich plötzlich alle in den engen Raum eines frei schwimmenden Kanus, und stürzen sich voller Vertrauen in den Anderen, in ein gefährliches reißendes Abenteuer. Durch die überschäumende gegenseitige Unterstützung und den eisernen Zusammenhalt wird der Fehler des einzelnen ausgemerzt und in den ungestümen Fluten des Eifers ertränkt, denn alle miteinander wetteifern den gleichen Ziel entgegen. Sie detachieren Aufgabengebiete, verwalten die entstehenden Resonanzen, schicken die gesammelten Erträge an Geleistetem zurück an die übergeordnete Stelle, reichen Verspätetes nach und deputieren das Gesamtwerk an einer offen zugänglichen Stelle, wo es übersichtlich geordnet und für jedermann erreichbar ist. Denn, es sitzen alle in einem Boot.

Kommunikation

ist die akustisch in den Raum gestellte phonetische unterstrichene Wiedergabe von Lauten, die von sich in der näheren Umgebung befindlichen Personen aufgefangen, dechiffriert, und so diejenigen Individuen die der gesprochenen Sprache mächtig sind, verstanden werden können. Oder, so sagt der Duden: “die Verständigung untereinander”.

Sehr oft Zweck entfremdet wird diese unentbehrliche Informationsübermittlung, wenn sie dem eigenen Vorteil dienlicher ist als den allgemeinem Nutzen. Die gesammelte Erfahrung ließ mich schmerzlich erkennen, daß dies dort der Fall ist, wo Neid, Haß und Eifersucht am stärksten wirken, wo ignorante Machtgier nur noch von heuchelndem Kriechen übertroffen wird.

Wo jeder dem innerlichem Drang folgt sich selbst zu bestätigen, sich selbst hervorzuheben, wo jeder sich selbst der nächste ist, jeder der beste sein will und muß. Dort wo ausnahmslos jeder selbst der Chef ist, der bestimmt, befiehlt und kommandiert. Ursache dafür ist die hohe Zahl an Tischen die in zu vielen von einander getrennten Räumen die auf zu vielen Stockwerken verteilt herumstehen. Jeder kommandiert von dem Tisch, den er sein Eigen nennt. Niemand bewegt sein, mit Verlaub gesagt, fettes Hinterteil von seiner aufgewärmten Sitzgelegenheit, außer zur Nahrungsaufnahme. Und nicht einmal beim Futtertrog wird miteinander gesprochen. Einzig ein wisperndes nörgeln über das Mittagessen ist zu hören, neben dem gierigen Gewürge das das Verschlingen des angeblichen Fraßes erzeugt. Obwohl der Fraß nicht würdig ist gegessen zu werden, ist mit Erstaunen festzustellen das täglich die lautesten Nörgler die ersten am Futterbottich sind. Nach getätigter Sättigung hievt man seinen Allerwertesten wieder dorthin woher er kam und entsendet seine, sich mit anderen Entsendern widersprechende, Instruktionen. Die Entsender allerdings, die Minuten zuvor miteinander geschlemmt haben, jedoch nicht bereit waren die nachfolgenden Instruktionen zu erörtern.

Und so verhallt das Gesprochene im Raum und verliert sich infolge der Widersprüchlichkeit zu den paradoxen Anweisung nonkonformer Anordnungsgebern in Unglaubwürdigkeit.

Zwiegespräch

Der Wortwechsel zwischen zwei Menschen wird nicht nur durch das gesprochen Wort sondern auch durch das Zuhören geprägt, welches die verständliche Kommunikation fördert und dem Redner Zuständigkeit vermittelt.

Wer nicht Anteil nimmt an dem Erzähltem, der Erklärung, dem Vorgetragenem also, der wirkt nicht nur anmaßend, sondern auch arrogant ist nicht interessiert, beginnt zu unterbrechen, wechselt das Thema und gibt dadurch seine Unwissenheit und Ignoranz Preis, das weder philosophisch, konstruktiv noch klug ist, dann dadurch erfährt der Dialog den Monolog und so weiter gegebene verbale Information, verrät die wahre Identität der einseitigen Person die jetzt transparent ist und sich selbst Schaden, durch die Gefahr der Durchschaubarkeit, Erreichbarkeit und die Verletzlichkeit, zufügt.

Mit fehlender Aufmerksamkeit, Oberflächlichkeit und ohne Denkdisziplin ist es ihm schier unmöglich andere zu verstehen ernst zu nehmen oder zu überzeugen, denn durch den fehlenden Gegenstand in einseitigen Gesprächen, der erwächst aus der fehlenden Frage, die es bei jeder Auseinandersetzung zwischen zwei Menschen geben sollte, egal woraus der Kern besteht, wird der intellektuelle Horizont nicht gefordert und resultiert in Frustration, Schwarzsehen, Abneigung gegen ihn und seine Sache, denn er wird mit dieser Art der Verständigung niemanden erreichen, berühren oder anspornen, sondern eine negative Einstellung zu Tage fördern und bewerkstelligt damit nichts anderes als die innere Abkapselung des gegenüber Sitzenden.

Um Prinzipien festzulegen sollte planmäßig vorgegangen werden, Uneinigkeiten aus dem Weg geräumt und verständliche, zielführende und wirkungsvolle Lösungen erörtert werden. Fehlendes Wissen durch ausdauernde Kontinuität und unaufhörliche Lernprozesse komprimiert zu hervorragenden Können angeeignet werden. Nicht einfältige Unkenntnis durch Euphemismus überspielt, durch Verdrängung, bewußtes Vergessen oder vorsätzliches Beiseiteschieben einem unbefriedigendem Ergebnis vorziehen.

Erlangt wird dies, nicht allein durch die Frage, sondern durch das rotierende Verarbeiten von Gehörtem, dem Akzeptieren dritter Meinungen und unter anderem auch dem zuspielen und empfangen mündlicher Informationen, nicht durch das monotone nach dem Maul reden von vorgekauten verdrehten Halbwahrheiten, denn die fragmentierte bruchstückhafte Wiedergabe fremden Gedankengutes verfälscht die Aussage.

Verhaltensverordnung

Ein kleiner Ratgeber für Wiener Kaffeehaus-,
Restaurant- und andere Gaststättenbesucher

I. Grüßen Sie den Herrn Ober freundlich, es ist eine Geste der Gastlichkeit die ihnen Herr Ober auch zu Teil werden läßt.
II.
Wenn Sie den letzten freien Tisch in einem voll besetzten Lokal haben wollen, obwohl dieser reserviert ist – ACHTUNG – ein Herr Ober ist nicht bestechlich.
III.
Herr Ober ist „unbestechlicher“ Trinkgeldnehmer.
IV.
Versuchen Sie nie eine Speise, die Sie nicht kennen, zu bestellen, zumindest nicht dann, wenn Sie nicht wissen wie man sie richtig ausspricht.
V.
Vermeiden Sie den Ausdrücke „Tunke“, man wird Sie besser verstehen wenn Sie „Soße“ bestellen.
VI.
Bezeichnen Sie Klöße nicht als „Klöße“, sondern als „Knödel“.
VII.
Wenn Sie „Spätzle“ haben wollen, bestellen Sie „Nockerl“.
VIII.
Es ist auch bekannt, daß in Österreich „Tomaten“ „Paradeiser“ sind, also richten Sie sich danach.
IX.
Herr Ober wird Sie besser verstehen wenn Sie die „Aprikose“ als „Marille“ bezeichnen.
X.
Um Mißverständnisse zu vermeiden ist es auch einfacher anstatt „Apfelsinensaft“ „Orangensaft“ zu bestellen.
XI.
Erkundigen Sie sich nicht wonach Haifischsteak schmeckt. Oder können Sie erklären wonach eine Erdbeere schmeckt?
XII.
Wenn Sie sich eine Telefonmünze von Ihrem Herrn Ober borgen, geben Sie sie auch zurück.
XIII.
Fragen Sie den Herrn Ober nicht wie spät es ist wenn er beide Hände voll hat. Er fällt nicht darauf herein.
XIV.
Beschweren Sie sich nicht beim Herrn Ober wie schlecht das Lokal ist, wenn Ihnen nur das Essen nicht geschmeckt hat. Herr Ober hat nicht gekocht.
XV.
Beurteilen Sie die Küche nicht nach dem Gewicht des Koches. Es ist ein Irrglaube, daß ein guter Koch dick sein muß.
XVI.
Beschweren Sie sich nicht über die schlechte Küche nachdem Sie den Teller bis auf den letzten Bissen leer gegessen haben.
XVII.
Versuchen Sie beim Italiener nicht italienisch zu sprechen, wenn Sie nicht italienisch können.
XVIII.
Sprechen Sie im Gourmet Restaurant nicht französisch. Sie könnten sich blamieren.
XIX.
Sprechen Sie den Herrn Ober mit „Herr Ober“ an, nicht mit Hallo, Sie, Du, He.
XX.
Schnippen Sie nicht mit den Fingern nach dem Herrn Ober. Die Sklaverei wurde schon 1861 abgeschafft.
XXI.
Versuchen Sie auch nicht mit diversen Zischlauten die Aufmerksamkeit auf sich zu lenken, wenn Sie rasch bedient werden wollen.
XXII.
Beschweren Sie sich nicht über warmes Bier. Wenn Sie etwas kaltes wollen müssen Sie Kaffee bestellen.
XXIII.
Beschweren Sie sich nicht über den Sprung in der Tasse, daran sehen Sie wie stark der Kaffee ist.
XXIV.
Fragen Sie den Herrn Ober nicht um eine „schönen Tisch“, es sind alle entweder rund oder viereckig.
XXV.
Fragen Sie beim Italiener niemals nach französischen Landwein.
XXVI.
Bestellen Sie beim Griechen keinen Falls türkischen Kaffee.
XXVII.
Sushi gibt es nur beim Japaner und nicht beim Chinesen.
XXVIII.
Es zeugt zwar nicht von Kulinarität, aber der Hamburger schmeckt doch bei Mc Donald am besten.
XXIX.
Trinken Sie mit dem Herrn Ober nicht um die Wette. Er muß noch arbeiten.
XXX.
Fragen Sie bei einer Beschwerde nicht nach dem Chef. Der Herr Ober könnte der Chef sein.
XXXI.
Beginnen Sie Ihren Lokalbesuch nicht mit einer Reklamation über die lange Wartezeit, dem Herrn Ober steht es frei ob er Sie bedienen wird oder nicht. Insbesondere dann wenn er der Chef ist.
XXXII.
Ist er nicht der Chef berücksichtigen Sie bitte, daß Herr Ober auch nur zwei Hände hat.
XXXIII.
Zwei Füße tragen ihn nicht schneller als sie es ohnehin schon tun. Hätte er Räder, wäre er kein Herr Ober geworden.
XXXIV.
Akzeptieren Sie, daß ihm auch nur ein Kopf zur Verfügung steht.
XXXV.
Ist das Lokal hoffnungslos überfüllt nehmen Sie zur Kenntnis das Herr Ober auch schon müde sein könnte und ihr Bier oder dergleichen einfach vergessen hat.
XXXVI.
Stellen Sie niemals die Frage „Herr Ober haben Sie mein Bier (oder dergleichen) vergessen?“, die Antwort ist in jedem Falle „Nein!“
XXXVII.
Werden Sie nett, freundlich und rasch bedient, sagen Sie es dem Herrn Ober, er freut sich sicher darüber.
XXXVIII.
Vermeiden Sie eine Beanstandung über eine Mücke im Bier, speziell wenn Sie unter freien Himmel sitzen. Gegen die Natur ist Herr Ober machtlos.
XXXIX.
Füttern Sie im Schanigarten kein Vögel, sie könnten frech werden und sich in Ihren Teller setzen.
XL.
Halten Sie Kinder und Hunde an der Leine. Denn wenn sie im Spiel mit dem Herrn Ober kollidieren könnten sie mit heißer Suppe übergossen werden.
XLI.
Und wenn es doch passiert geben Sie nicht dem Herr Ober die Schuld.
XLII.
Achten Sie darauf, daß Ihr Hund den Herrn Ober nicht beißt. Der Leidtragende sind Sie, wenn Sie nicht mehr bedient werden.
XLIII.
Wenn Sie in Wien eine Fledermaus auf der Speisekarte finden, so ist das nicht der Vampir sondern eine Altwiener Rindfleischspezialität.
XLIV.
Ordern Sie keine Soße (Tunke) zum Wienerschnitzel, Sie brechen Herrn Ober das Herz damit.
XLV.
Verkneifen Sie sich auch die Marillenmarmelade (Aprikosenkonfitüre) zum Wienerschnitzel. Wenn schon Marmelade, dann zumindest Preiselbeer.
XLVI.
Sagen Sie dem Herrn Ober niemals er „Muß“ ihnen Geld wechseln, zu diesem Zwecke ist er nicht da. Aber mit dem Zauberwort „Bitte“ werden Sie auf keinen Widerstand stoßen.
XLVII.
Ersuchen Sie Herrn Ober „höflich“ ein Taxi zu rufen wenn Sie eines benötigen, dann wird er Ihren Wünschen gerne nachkommen.
XLVIII.
Es wird Ihnen auch kein Stein aus der Krone fallen, wenn Sie den Herrn Ober „freundlich“ nach einer Zeitung fragen. So kommen Sie auch schneller zum Lesen.
XLIX.
Lies nie mit dem Finger auf der rechten Seite der Speisekarte.
L.
Beklagen Sie sich nicht darüber wie teuer der Kaffee ist. Herr Ober ist nicht dafür verantwortlich.
LI.
In Gruppen ist es ratsam Sammelbestellungen aufzugeben. So ärgern Sie Herr Ober nicht, werden rascher bedient und sind am Ende selbst zufriedener.
LII.
Bestellen Sie im Wiener Kaffeehaus nicht „Kafffe“ sondern „Kafeee“, wenn Sie nicht sofort als Tourist entlarvt werden wollen.
LIII.
Auf keinen Fall sollten Sie „Quark“ zum „Topfen“ sagen.
LIV.
Ist zu wenig Obers in Ihrem Kaffee und Sie möchten mehr Obers, dann fragen Sie nach mehr „Obers“ und nicht nach „Sahne“.
LV.
Gegen eine trockene Sachertorte hilft „Schlagobers“, nicht „Schlagsahne“.
LVI.
Ist sie noch immer zu trocken trinken Sie eine „Portion Kafeee“ dazu, nicht ein „Kännchen Kafffe“.
LVII.
In Wien ist ein „Berliner“ ein „Krapfen“.
LVIII.
„Topfenkolatsche“ bleibt Topfenkolatsche und nicht „Quarktasche“.
LIX.
Es ist zwar befremdend aber „Wienerli“ sind in Wien „Frankfurter“.
LX.
Bestellen Sie im echten Wiener Kaffeehaus keine „Kaisermelange“, zumindest dann nicht, wenn Sie in Ihrem Kaffee keinen Eidotter finden wollen.
LXI.
Präzisieren Sie im Wiener Kaffeehaus die Bestellung „Einspänner“. Herr Ober bringt Ihnen vielleicht anstatt der gewünschten Kaffeespezialität die Hälfte eines Paares Frankfurter. (Wird ebenfalls als Einspänner bezeichnet)
LXII.
Präzisieren Sie im Wiener Kaffeehaus die Bestellung „Einspänner“. Auch dann wenn Sie nicht wollen, daß Herr Ober einen Fiaker für Sie bestellt. (Auch eine Kutsche die von nur einem Pferd gezogen wird ist ein Einspänner.)
LXIII.
Präzisieren Sie weiters, wenn Sie einen „Fiaker“ bestellen, daß Herr Ober weiß ob er ihnen eine Kutsche bestellen soll oder ob Sie einen Einspänner mit Kirschwasser trinken wollen.
LXIV.
Habe Sie keine Angst davor einen „Maria Theresia“ zu bestellen. Herr Ober wird ihnen nicht die Gebeine der ehem. österreichischen Kaiserin vorsetzen, sondern eine Kaffeespezialität.
LXV.
Desgleichen gilt für Franziskaner und Kapuziner, die ebenfalls Kaffeespezialitäten sind. Es wird kein Mönch vor ihnen erscheinen.
LXVI.
Herr Ober wird den Kaffee nicht über Sie gießen und auch nicht rückwärts gehen wenn Sie „Kaffee verkehrt“ bestellen. Es ist einfach mehr Milch als Kaffee in der Tasse.
LXVII.
In Wien haben Sie auch die Möglichkeit ein „Séparée“ zu bestellen, ohne mit moralischen Blicken gestraft zu werden. Lediglich Kaffee und Milch werden separiert serviert.
LXVIII.
Es ist nicht erforderlich, daß Sie eine „schöne“ Tasse Kaffee bestellen, zumindest dann nicht, wenn Sie guten Kaffee meinen.
LXIX.
Das Glas Wasser das ihnen Herr Ober mit ihrem Kaffee bringt ist zum Trinken, nicht zum Hände waschen!
LXX.
Bitten Sie den Herrn Ober niemals um eine „schnelle“ Tasse Kaffee, zumindest nicht, wenn Sie in einem Wiener Kaffeehaus sitzen, denn die Wiener Gemütlichkeit ist sprichwörtlich.
LXXI.
Erkundigen Sie sich nicht danach welche Torten es gibt, sondern welche Ihnen Herr Ober anbieten kann.
LXXII.
Bitten Sie niemals nach dem Rezept des soeben Gegessenem. Es gibt in ganz Wien nur Geheimrezepte.
LXXIII.
Obwohl immer mehr Rücksicht auf Nichtraucher genommen wird, gibt es in keinem Schanigarten eine Nichtraucherecke.
LXXIV.
Beim Heurigen wird, wie der Name schon sagt „Heuriger“ ausgeschenkt und nicht „Jungwein“.
LXXV.
Die übliche Menge die getrunken wird ist ein „Vierterl“ und nicht ein „Schoppen“.
LXXVI.
Wenn Sie ein Viertel Heurigen (Schoppen Jungwein) bestellen verziehen Sie nach dem Kostschluck nicht das Gesicht. Der Heurige ist nicht „sauer“, sondern „resch“.
LXXVII.
Ist Ihnen der „Heurige“ zu „resch“ versuchen Sie den „Alten“.
LXXVIII.
Es gibt keine Rebsorte für „Heurigen“. Es ist ein „gemischter Satz“.
LXXIX.
Ein „Cuvee“ ist etwas anderes als ein „gemischter Satz“
LXXX.
Sie können Ihren Wein dann natürlich mit „Mineralwasser“ mischen, nicht mit einer „Selters“.
LXXXI.
Eines der beliebtesten Getränke beim Heurigen ist nicht die „Schorle“, sonder der „G’spritze“.
LXXXII.
Beim Heurigen gibt es kein „Eisbein“, nur „Stelze“.
LXXXIII.
Als Beilage bestellen Sie „Erdäpfel“ und nicht „Kartoffeln“.
LXXXIV.
Versuchen Sie nicht beim Heurigen Bier zu bestellen. Bei einem echten Heurigen gibt es nur Wein.
LXXXV.
Wenn Sie vor dem nach Hause gehen oder nach zu reichlichem Weingenuß noch Kaffee trinken wollen, werden Sie beim Heurigen ebenfalls Pech haben.
LXXXVI.
Geben Sie nicht nur der Musik, sondern auch Herrn Ober Trinkgeld. Er trinkt zumindest genau so gerne wie die Musiker.
LXXXVII.
Fragen Sie den Herrn Ober nicht ob er Trinkgeld nimmt. Geben Sie einfach Trinkgeld.
LXXXVIII.
Fragen Sie den Herrn Ober nicht wieviel Trinkgeld er nimmt, zumindest dann nicht, wenn Sie seiner Forderung nicht nachkommen wollen oder können.
LXXXIX.
Den Herr Ober auf ein Getränk einzuladen ist nicht das gleiche wie ihm Trinkgeld geben.
XC.
Seien Sie Herrn Ober nicht böse wenn er leicht beschwipst ist. Dann nämlich, ist er von sehr vielen Gästen auf ein Getränk eingeladen worden.
XCI.
Sehr geehrte Damen, begrapschen Sie den Herrn Ober nicht.
XCII.
Sehr geehrte Herren, begrapschen Sie weibliches Servierpersonal nicht. (Gilt auch für den Herrn Ober)
XCIII.
Danken Sie dem Herrn Ober für die freundliche Bedienung, er müßte nicht freundlich sein.
XCIV.
Haben Sie keine Scheu davor an ihrem Tisch alles offen auszusprechen, auch wenn Herr Ober anwesend ist. ärzte, Priester, Rechtsanwälte und der Herr Ober unterliegen der Schweigepflicht.
XCV.
Verzeihen Sie dem Herrn Ober wenn er Sie trotz allem nicht versteht, er spricht vielleicht mehrere Sprachen, aber Schwäbisch und Plattdeutsch kann er leider nicht.
XCVI.
Halten Sie dem Herrn Ober zu Gute, daß er versuchen wird sich mit Ihnen zu verständigen. Sei es mit Pantomime, händeringendem Deuten oder mit Fotografien der Tiere dessen Fleisch Sie gerade essen.
XCVII.
Gönnen Sie dem Herrn Ober eine Rauchpause.
XCVIII.
Halten Sie die Sperrstunde ein. Herr Ober hat auch ein Geschlechtsleben.
XCIX.
Den Herrn Ober können Sie mit jedem Problemchen und Wehwehchen konfrontieren, er wird immer einen Ausweg finden.
C.
Danken Sie Gott das es den Herrn Ober gibt.

Schlußwort

Denken Sie darüber nach, lassen Sie es wirken, schlafen Sie eine Nacht darüber und beherzigen Sie die kleinen Ratschläge, wenn Sie das nächste Mal in einem Restaurant, Kaffeehaus oder in Ihrer Stammkneipe sitzen. Im Speziellen, wenn es an den Weihnachtsfeiertagen, in der Silvesternacht, am Ostersonntag oder an sonst irgendeinem Wochenende, an einem Feiertag, zum Muttertag, oder zu mitternächtlicher Stunde sein sollte, zu einer Zeit also, wo Sie schon lange Ihre Freizeit genießen.

Es verbleibt Ihr, Ihnen Prost,
Mahlzeit und viel Spaß
wünschender Autor