Prüfung zum Hr. Ober

PRÜFER:

Um den ehrenwerten Beruf eines Wiener Kaffeehauskellners zu ergreifen, sprich ein „Ober“ zu werden muss ich sie einer sehr strengen Prüfung unterziehen. Ich hoffe sie sind alle gut vorbereitet und haben sich zu unserem heutigen Thema den Wiener Kaffeespezialtiäten auch ang’schaut wie’s zubereitet werden.

Beginnen wir mit dem Hr. Ferdinand.

FERDINAND:

(eilenden Schrittes) G’schamster Diener . . .

PRÜFER:

Immer schön grantig bleiben und nicht zu freundlich werden  und a „Gnä‘ Frau oder Herr“ hinten nach wär’ noch besser, wie sich’s halt g’hört für einen Ober.

Also, Ferdinand, sagen Sie mir: was ist eine „Weisse“, mehr „licht“ mit „Schlag“?

FERDINAND:

(selbstbewusst) Ein „Weisse, mehr licht mit Schlag“ ist beinahe dasselbe wie eine „Kaffee Verkehrt“ mit weniger Milch“ nur eben natürlich mit Schlag, aber genau genommen ist es eine Melange mit mehr Milch und Schlag statt dem Milchschaum.

PRÜFER:

Sehr brav, setzen.

So, Hr. Ludwig, was ist eine „G’streckter“?

LUDWIG:

(unsicher, fragend) Ein… ein… eine „Melange“ ohne Schaum mit Obers.

PRÜFER:

Ganz falsch!

Was sie mir da beschreiben ist ein Franziskaner ohne Schokostreusel.

Na sag’s mir halt was ein Fiaker ist

LUDWIG:

Ein geeister starker Mokka im Laufglas mit Maraschino, Gewürzen und flüssigem Zucker mit einem Eiswürfel.

PRÜFER:

Schon wieder falsch – das ist ein Mazagran, ein Fiaker wird auch Kaffee Kirsch genannt und ist ein doppelter Mokka mit Kirschwasser und Zucker verrührt, mit einer Schlagobershaube garniert und im Einspännerglas serviert.

Traurig wenn’s das net wissen und eine Schand’ für ihren Berufsstand – setzen!

Franz sagen’s mir ein paar Maßeinheiten für Kaffee?

FRANZ:

Die Kleinste ist die Nuss oder Nussschale, die wir als Mokkatasse kennen, gefolgt vom Pikkolo, etwa anderthalb Nussschalen groß, und dann kommt die Teeschale. Das Laufglas ist ein hohes, dickes Glas, das Einspännerglas …

PRÜFER:

(winkt ab) pass schon, hervorragend, so stell ich mir das vor!

Ludwig geh’ sag sie mir wenn ich einen Mokka möchte mit Obers, was bringen sie mir dann?

LUDWIG:

Eine Schale Braun, oder wenn’s a’ bisserl mehr Obers sein darf dann eine Schale Gold, oder für mehr dunkel tät ich ihnen einen Schale Nuss anbieten.

PRÜFER:

Warum bringen’s mir net einfach einen kleinen Braunen?

LUDWIG:

Weil der kleine Braune mit Milch ist und nicht mit Obers

PRÜFER:

Sehr richtig so g’fallt es mir – so soll es sein.

Geh’ Hr. Ferdinand kommen’ noch einmal vor

Erklär’ns mir was der Unerschied ist zwischen einem Obermayer und einem überstürzten Neumann?

FERDINAND:

(ein wenig unsicher) Beim „Neumann“ kommt Schlagobers in eine leere Kaffeeschale, und wird dann mit einem Mokka “überstürzt”, drum heißt er ja „Überstürzter Neumann“ und beim „Obermayer“ is es eher umgekhrt könnt ma‘ sag’n.

Des Obers schwimmt auf dem schon gesüßten Mokka und wird auch nicht umgerührt, weil man den heißen Mokka durchs kalte Obers trinkt.

PRÜFER:

Na, brauchen’s net nervös sein, war eh‘ alles richtig. Danke.

Geh’ Hr. Franz noch eine Frage für sie.

Können’s mir vielleicht auch noch ein bisserl was über die „Melange“ erzählen? Ich weiß das ist ein sehr schwere Frage, aber versuchen sie’s halt einmal

FRANZ:

Eine Melange ist ein Mokka in einer Pikkolotasse mit heißer Milch, die mit ein wenig Obers versetzt ist, zur Gänze aufgegossen. Das ergibt eine Mischung „Melange” halb Milch und halb Kaffee die mit einer Milchschaumhaube vollendet wird.

Aufpassen muss man ob die Bestellung mit “mehr licht” oder “mehr dunkel”, oder mit “ohne” ergänzt wird. Da geht’s um den Milchschaum.

Ausserdem kann die Melange „mit Haut“, „mit Schlag“, „mit ohne“, „passiert“,  . . .

PRÜFER:

Brav, passt schon, ich glaub aus ihnen wird noch einmal was.

Ludwig, für Sie noch eine Frage, weil‘s voher so nervös war‘n. Was is als dann „ein Brauner“?

LUDWIG:

(wieder nervös) Ein Brauner ist …, ein Brauner …

PRÜFER:

Was? Das wissen‘s auch nicht? Passen‘s auf: Ein „Brauner“ ist manches Mal ein „Kleiner“ und manches Mal ein „Großer“ —

LUDWIG:

(fällt ins Wort): Bitt schön ich weiß schon: Der „Braune“,  ist ein einfacher oder ein doppelter Mokka mit „Milch“, nicht mit „Obers“, weil die „Schale Braun“, ist ein Mokka mit „Obers“ nicht mit „Milch“, weil sonst wär’s ja ein Brauner.

PRÜFER :

Sehr richtig, und das dürfen’s nie verwechseln.

Was ein „Maria Theresia“, eine „Einspänner“, ein „Doppelmokka, gespritzt“ ist, wissen’s ja hoffentlich.

. . . Fortsetzng folgt

Kaffeehaus die Fünfte oder Ein Tag im Kaffeehaus

Vereinzelt gibt’s Personen,
die im Kaffeehaus fast schon wohnen.

Es beginnt der Tag ganz locker,
mit Ei im Glas und einem Mokka,

dann muß er in die Firma gehen,
kurz nach seiner Arbeit sehen,

gleich danach zum zweiten Frühstück,
wieder ins Cafe zurück,

weil der Hunger droht,
ein belegtes Brot,

eine Schale Nuß hinterdrein,
dazu ein Gugelhupf darf’s auch noch sein,

auf geht’s ins Büro, malochen,
überläßt dem Cafetier das kochen,

schon bald ertönen laut die Mittagsglocken,
die ihn wieder ins Kaffeehaus locken.

Fragt den Ober: „Was geht schneller,
Menü oder Tagesteller?“

Hm, oder vielleicht doch ein Gulasch und ein Weckerl,
oder möcht ich lieber Schinkenfleckerl?

Ein Paar Würstel, aber die mit Gulaschsaft?
oder besser einen Suppentopf, der gibt Kraft!

Linsen, Beuscherl, Tafelspitz,
möcht ich essen auf einen Sitz

der Hunger plagt ihn sehr,
doch die Auswahl die fällt schwer.

Oder lieber doch die Depreziener,
Nein! Als echter Wiener,

ein Wiener Schnitzel mit Salat,
das wär‘ das richt’ge g’rad,

füllt Magen und die Pause,
stillt den Hunger bis zur Jause,

dazu ein kleines Bier,
schwänzt die Arbeit und bleibt hier.

Während auf sein leiblich Wohl er achtet,
er die Leute im Cafe betrachtet.

Eheleute schlichten ihren Krach,
ein Jüngling wird bei seiner Liebsten schwach,

Verträge wurden schon besprochen,
die eine oder and’re Ehe schon versprochen,
auch Freundesbande sind gebrochen,
aus der Küche hat’s schon mal verbrannt gerochen,

Arbeitslose und Studierte,
lesen Zeitungen und Illustrierte,

da ein Husten, dort ein Niesen,
ein Clochard wird des Lokal’s verwiesen,

weil, er hat gestunken,
von einem anderen das Bier getrunken.

Daneben sitzen Advokaten mit Klienten,
man findet ärzte und Patienten,

sowie Priester, Hausfrauen und Piloten,
Demonstranten und Chaoten.

Nicht zu definieren ist die Klientel,
ob gemütlich oder schnell,

niemand hat keinen Grund,
nicht zu gehen zu jeder Stund,

wohin alle Wiener sich begeben,
um das Leben zu erleben.

Kaffeehaus die Vierte oder Die Tradition

Das Kaffeehaus gibt’s, auch wenn’s verwundert,
seit über drei Jahrhundert,

die Türken, ließen sich von uns verjagen,
denn Prinz Eugen hat sie geschlagen,

als sie weg gewesen, da lagen,
konnten’s nicht mehr tragen,

oder haben sie’s vergessen,
Säcke voll mit Bohnen, nicht zum Essen,

Kaffee noch grün war in den Säcken eingewickel
durch rösten hat Aroma sich entwickelt,

und hat schon einmal gut gerochen,
man mußte ihn noch mahlen und dann kochen,

doch er schmeckte fürchterlich,
so bitter, daß er fast der Galle glich,

um das Getränk ein wenig zu beleben,
hat sich folgendes ergeben,

aus Kaffee und Milch ein Gemisch,
kam als nächstes auf den Tisch,

erst als Zucker den Kaffee versüßt,
hat wirklich jeder ihn begrüßt,

von nun an, von dieser Stunde,
war Kaffee in aller Munde,

und weil so oft verlangt,
ein Geschäftsmann hat erkannt,

der Kaffee läßt sich verkaufen,
und alle sind zu ihm gelaufen.

Und am I das Tipferl,
erfand der Bäckermeister Kipferl,

er hat ein Gebäck erfunden,
das dem Halbmond nachempfunden,

der von den Türken ist geblieben,
eine Mehlspeis wie sie alle Wiener lieben,

bleibt einzig noch die Frage offen,
wie hat wohl Kaffee und Kipferl sich getroffen?

So wurde es geboren, das Cafe,
in dem es gibt, seit eh‘ und jeh‘,
das Kipferl und Kaffee.

Kaffeehaus die Dritte oder 3. Die Torte

Es bedarf nicht vieler Worte,
jeder weiß was eine Torte.

Das Kapitol der Tortenwelt ist Wien,
die Sachertorte ihre Königin,

die Torte aus dem Imperial,
ist der Königin Gemahl,

dessen Sproß ist die Prinzeß,
sie ist die Comtess,

Um die Qualität zu heben,
um die Vielfalt zu beleben,

in der Tortenwelt, der Süßen,
liegen noch zu ihren Füßen,

Topfen, Nuß und die Souffle,
Mandel, Kirsch, St. Honore,

Hofburgtorte, Linzer – Burgtheater,
Trüffel und Cassata,

Torten aus der ganzen Welt,
haben sich nach Wien gesellt,

hier aufgenommen, ohne zu verändern,
leben Torten hier, aus allen Herren Ländern,

die Malakoff verdanken wir den Zaren
die Doboschtorte den Madjaren,

die Esterhazy ist aus Ungarn ebenso,
der Zigeuner Torte, die von überall und nirgendwo,

mit Schlag und Eis gefüllter Wind,
ist der Spanier berühmtes Kind,

die Fächertorte, Schicht für Schicht,
ein jiddisches Gericht,

Orleon und Alliance,
welche Frage – Made in France.

die mit Gemüse wird bereitet, dann und wann,
aus Schweden stammt der Apfelflan,

Gekrönte Häupter, Aristokraten,
Männer die vollführten Heldentaten,
sind so mancher Torten Paten,

Napolen ist wohl bekannt,
eine Torte wurd‘ nach ihm benannt,

andere nach Mozart dem Genie,
der königlichen Stefanie,

dem Maximilian zu Ehren,
dem Bismark kann man’s nicht verwehren,

endlos ist die Zahl an Sorten,
die es gibt an guten Torten,

ob rund ob eckig,
flaumig oder speckig,

hab‘ bis heute keinen kennen gelernt,
der nicht für irgend eine Torte schärmt.

Aus der Sicht des Hrn. Ober

Sie sitzen in einem Lokal, essen und trinken, sind aber im Grund ihres Herzens nicht so ganz zufrieden. Es dauert zwar nicht lange, bis Sie bedient werden, aber es geht auch nicht schnell, die Bedienung ist zwar freundlich, aber doch recht kurz angebunden, es gibt keine Missverständnisse, aber der Herr Ober hinterfragt zur Sicherheit noch ein zweites Mal. Woran liegt dieses Unverständnis und der fehlende letzte Schliff zur Behaglichkeit?

Werfen Sie doch einen Blick hinter die Kulisse. Ich möchte Ihnen einen kleinen Einblick gewähren und Sie teilhaben lassen am regen Treiben des Herrn Ober und seinem immensen Arbeitspensum. Es ist mein erklärtes Ziel, gegenseitiges Verständnis zu erreichen, Ihnen zufriedene Lokalbesuche zu bescheren und dem Herrn Ober das Leben zu erleichtern.

Was ist Gastronomie? …

… ist eine Frage, die ich mir aus der Sicht des Herrn Ober selbst gestellt habe und möchte nach erfolgreich durchgeführter, jahrelanger Praxis, nächtelangen Diskussionen, eingehenden Recherchen bei hunderten doppelten Mokka und noch einmal so vielen Gitanes (Zigarettenmarke = franz. für Zigeunerinnen) mit Branchenkollegen die folgende – befriedigende – Antwort einleitend zu Papier bringen.

Nicht zu verwechseln mit Teller schleppen, leere Achtellitergläser spazieren tragen oder warmes Bier zapfen, ist Gastronomie etwas das bereits lange vor und nach dem eigentlichen Bedienungs- Gesprächs- und Verkaufsereignis mit dem Gast wirkt. Gastronomie ist das Bindeglied zahlreicher Aktivitäten im Rahmen der Bewirtung eines Gastes.

Sowie Aktivitäten die, zwischen „Vorher“und „Nachher“(siehe nachfolgend), darauf ausgerichtet sind Bedürfnisse und Wünsche der Konsumenten durch Konversation aufzuspüren. Diese durch selbstbewusstes Auftreten mit besten Manieren, sauber und adrett, immer mit dem Wahlspruch auf den Lippen: „Der Kunde ist König“, zu befriedigen und umfasst die Analyse der da Sitzenden. Denn jeder für sich ist ein Unikat und will sich individuell behandelt wissen. Dazu kommen VIPs, aus manchmal nicht eruierbaren Ursachen nicht Zahlende, die Freunde des Chefs und der oder die Chefs persönlich. Die zwar festhalten an dem Wahlspruch: „Alle sind gleich“, aber nichts desto trotz „gleicher“bedient werden wollen. Zusätzlich erwartet man Planung und Durchführung des Menüs in der richtigen Speisenfolge, zeitgerechtes Abrufen in der Küche sowie die Kontrolle darüber ob die Speisen heiß, das Bier kalt und der Wein ordnungsgemäß, dem Gaumen des Gastes entsprechend, temperiert ist.

Wobei manchmal durchaus vorkommende Mängel oder Beschwerden, die zu beurteilen ob berechtigt oder ungerechtfertigt, dem Herrn Ober überlassen wird. Es ist auch seine Aufgabe diese Fauxpas aus der Welt zu schaffen und den Gast wieder versöhnlich zu stimmen. In der nämlichen Situation gilt die Regel – „wo eine Beschwerde, da kein Chef“(Die Ausnahme bestätigt die Regel).

Wichtig ist nur eine zufriedene Gästeschicht, die dazu bestimmt ist, gewinnbringende Umsätze, mit möglichst geringem Aufwand aufzubauen und zu erhalten, und damit gleichzeitig den Unternehmenszielen, wie der Brieftasche des Herrn Ober und folglich auch die der Köche, Schankburschen, und Abwäscher gerecht zu werden.

Vorher:

Gläser und Besteck polieren, Servietten falten, Tischstellung kontrollieren. Im Falle von Reservierungen ist die Anzahl der Gedecke, eventuelle Tischwünsche, Sitzordnungen, erbetene Tischdekorationen herzustellen und allfällige Sonderwünsche zu berücksichtigen. Die Tische dementsprechend zu decken, Sessel ausrichten, kaputte Glühbirnen im Lokal wechseln, Menagen auf ihre Füllmenge zu kontrollieren, den Getränkestand überprüfen und gegebenenfalls auffüllen, Mehlspeisenvitrine bestücken, Spinnweben zu entfernen, Tagesspezialitäten in die Speisekarte einbringen, diverse Tafeln beschriften und sichtbar anbringen. Wozu natürlich primär die Kommunikation mit der Küche erfolgen muss das in manchen Fällen doch nicht so einfach ist, wie es einem Außenstehendem oft erscheinen mag.

Weiters ist das Wechselgeld zur Selbstkontrolle zu zählen und darauf zu achten, dass der Kugelschreiber schreibt, genug Zigaretten in Reserve sind, das weiße Hemd wirklich weiß, die selbst gebundene Fliege gerade sitzt und die Schuhe geputzt sind. Selbstredend sind eine ordnungsgemäße Rasur, saubere Fingernägel und eine korrekte Frisur. Gegebene Mängel sind kurzerhand ausmerzen. Dafür Sorge tragen, dass man beim Personalessen nicht vergessen, und bei der Stationseinteilung nicht übervorteilt wird. Kaffee trinken.

Nachher:

Sofern die letzten Gäste die die Sperrstunde* überzogen haben endlich gegangen sind, die immer noch verbliebenen Betrunkenen entfernen (auch das kommt vor – und nicht zu knapp), Tische abräumen (sofern noch nicht geschehen – in der Norm sollte dies schon passiert sein), ebenso das Wechseln der Tischtücher, Getränkestand überprüfen, falls nötig auffüllen, Losung sprich Umsatz in den Tresor, auf die Bank oder dem Chef in die Hand drücken. Das Trinkgeld zählen. Das Trinkgeld für Küche, Schank und Abwasch nicht vergessen – WICHTIG – sonst könnten sich am nächsten Tag Probleme mit Denselben ergeben. Mit dem Koch, dem Schankburschen, dem Abwäscher und den anderen Obern bei einem Glas Wein oder Bier und einer Zigarette, über die Gäste und den Chef philosophieren. Anschließend die Lichter löschen, Alarmanlage aktivieren, das Lokal versperren und nach des Tages Müh’ und Plag’ umgehend ins nächste Café setzen und sich daran ergötzen wie die Leidensgenossen mit ihren, den gleichen wie die Eigenen, Problemen fertig werden und dort Kaffee trinken.

*Versuchen Sie doch nach Ladenschluss ein paar Schuh zu kaufen. Es wird Ihnen nicht gelingen, aber der Herr Ober ist fast immer für Sie da. Auch wenn Sie schon vor Stunden Büroschluss hatten und trotzdem die Sperrstunde schon längst vorüber ist.

Zur Vervollständigung und zum besseren Verständnis seien hier noch die Tätigkeiten die ohnehin allgemein bekannt sein dürften beschrieben.

Begrüßung der Gäste, das Abnehmen und Sorge tragen für deren Garderobe, plazieren am schönsten Tisch des Lokales (verwunderlich das nahezu jeder Gast den schönsten Tisch zugeteilt bekommt). Die Speisenkarte präsentieren, Empfehlung der Tagesspezialität, diese ist, je nach dem in welcher Kategorie Restaurant sie sich befinden, das übrig gebliebene Menü von gestern, die teuersten Speisen der Karte oder tatsächlich die extra für den Tag zubereitete Menüfolge. Gleich danach hat Herr Ober sich zu erkundigen, ob die Herrschaften einen Aperitif einnehmen werden. Ist es so, dann diesen raschest herbeizuschaffen und gleich die Weinkarte mitbringen, denn es ist damit zu rechnen das die werten Gäste schon gewählt haben und das lang ersehnte Abendmahl zu sich nehmen wollen. Zuvor gibt es immer einige kleine Details zu den Bestelltem die geklärt sein wollen, bevor man sich endgültig entscheidet. Hierbei ist es wichtig dem Gast niemals zu widersprechen. Er hat von Standes wegen einfach immer Recht. Ob er nun ein Gericht auf Grund des ausländischen Ursprungs falsch ausspricht, sich Zutaten oder Beilagen bestellt, die jeglichen normalen oder irrealen kulinarischem Geschmacksempfinden frönen mögen; seiner reizenden Begleiterin ausführlich die Zubereitung verschiedenster Speisen erläutert, selbst wenn er die Unterschiede zwischen Fisch und Fleisch nicht kennt – man widerspricht einfach nicht. Schon ob eines guten eigennützigen Grundes wegen nicht. Nämlich, um den Gast vor seinen Gästen nicht zu blamieren. Dies würde sich unweigerlich in der Höhe des Trinkgeldes niederschlagen. Sind alle Unklarheiten aus dem Wege geräumt erfolgt eine Bestellung.

Nach der Order erfolgt unverzüglich der Hinweis auf den passenden Wein zum Bestellten, der mit Kennern des edlen Getränkes sehr oft ausführlich erörtert werden muss. Der Mann von Welt labt sich nicht mit Gewöhnlichem, speziell dann nicht, wenn die Dame des Herzens stillschweigend dem Herrn gegenüber sitzend und seinen überwältigenden Kenntnissen über den Rebensaft lauschend, beeindruckt werden soll. Es folgt die Bestellung: „Naja, als echte Patrioten verkosten wir einmal einen guten Wein aus der Heimat. Mit mahnend erhobenem Zeigefinger und süffisantem Lächeln auf den Lippen, als verstehe man doch etwas von der Materie, folgt der Nachsatz: „Aber gut temperiert muss er sein“. In Wahrheit hat, wie so oft, letztendlich der Blick auf die rechte Seite der Weinkarte die Auswahl getroffen. Der Wein wird gekühlt serviert, fachmännisch geöffnet, die Farbe beurteilt, prüfend verkostet, als gut empfunden, eingeschenkt und am Ende der Zeremonie getrunken.

Nach dem Mahl, wobei während des Verzehrens desselben hinterfragt wurde ob denn wohl Geschmack, Konsistenz und Zubereitung genehm sei, wird abserviert. Man lässt sich dabei die Zufriedenheit des Gastes ein letztes Mal bestätigen. Gleichzeitig wird Dessert, Kaffee und Digestif angeboten und wunschgemäß, zügig herbeigebracht.

Zwischendurch ist noch Zeit zu finden für folgende wichtige Nebensächlichkeiten: Tausch der Aschenbecher, entfernen der Brösel vom Tisch, Kerzen sind anzuzünden und Abgebrannte zu wechseln, Getränke müssen nachgeschenkt und Gebäck nachgereicht werden, es ist zu erkunden ob die Portion ausreichend sein wird oder ein Nachschlag von Nöten sein könnte, bei Stammgästen ist ein kurzer Small Talk unabdingbar und bei ganz speziellen Gästen ist der Küchenchef bei Tisch vorzustellen.

Abschließend möchte ich noch hinzufügen das die oben beschriebenen, unvollständigen Aktivitäten sich auf einen zu bedienenden Tisch beziehen und gebe zu bedenken, dass Herr Ober unter normalen Voraussetzungen mehrere – bis zu 20 Tische – betreuen muss.

Trotz dem, dass Sie nach einem Stadtbummel, einem langen Spaziergang, in der Mittagspause oder im weihnachtlichem Einkaufsstress müde, abgespannt, hungrig und durstig das Lokal betreten, wird Herr Ober Sie freundlich, nett und zuvorkommend bedienen, eben weil er versteht, dass Sie müde, abgespannt, hungrig und durstig sind und ein freundliches Gesicht lieber sehen als eine grantiges, überlastetes und mürrisches Servierindividuum, das ihnen etwas zu essen und zu Trinken vorsetzt. Obwohl Herr Ober, aus vorangehend ausführlich dargestellten und somit auch verständlichen Gründen ebenfalls müde, abgespannt, hungrig und durstig ist.

Unter Berücksichtigung dieser Erkenntnis beherzigen Sie bei ihrem nächsten Restaurant oder Kaffeehausbesuch einfach ein paar simple Verhaltensregeln ( siehe unter Verhaltensverordnung) und Sie werden sehen, dass Sie sich und dem Herrn Ober das Leben und ihren Aufenthalt in der Gaststätte wesentlich leichter gestaltet werden.

Verhaltensverordnung

Ein kleiner Ratgeber für Wiener Kaffeehaus-,
Restaurant- und andere Gaststättenbesucher

I. Grüßen Sie den Herrn Ober freundlich, es ist eine Geste der Gastlichkeit die ihnen Herr Ober auch zu Teil werden läßt.
II.
Wenn Sie den letzten freien Tisch in einem voll besetzten Lokal haben wollen, obwohl dieser reserviert ist – ACHTUNG – ein Herr Ober ist nicht bestechlich.
III.
Herr Ober ist „unbestechlicher“ Trinkgeldnehmer.
IV.
Versuchen Sie nie eine Speise, die Sie nicht kennen, zu bestellen, zumindest nicht dann, wenn Sie nicht wissen wie man sie richtig ausspricht.
V.
Vermeiden Sie den Ausdrücke „Tunke“, man wird Sie besser verstehen wenn Sie „Soße“ bestellen.
VI.
Bezeichnen Sie Klöße nicht als „Klöße“, sondern als „Knödel“.
VII.
Wenn Sie „Spätzle“ haben wollen, bestellen Sie „Nockerl“.
VIII.
Es ist auch bekannt, daß in Österreich „Tomaten“ „Paradeiser“ sind, also richten Sie sich danach.
IX.
Herr Ober wird Sie besser verstehen wenn Sie die „Aprikose“ als „Marille“ bezeichnen.
X.
Um Mißverständnisse zu vermeiden ist es auch einfacher anstatt „Apfelsinensaft“ „Orangensaft“ zu bestellen.
XI.
Erkundigen Sie sich nicht wonach Haifischsteak schmeckt. Oder können Sie erklären wonach eine Erdbeere schmeckt?
XII.
Wenn Sie sich eine Telefonmünze von Ihrem Herrn Ober borgen, geben Sie sie auch zurück.
XIII.
Fragen Sie den Herrn Ober nicht wie spät es ist wenn er beide Hände voll hat. Er fällt nicht darauf herein.
XIV.
Beschweren Sie sich nicht beim Herrn Ober wie schlecht das Lokal ist, wenn Ihnen nur das Essen nicht geschmeckt hat. Herr Ober hat nicht gekocht.
XV.
Beurteilen Sie die Küche nicht nach dem Gewicht des Koches. Es ist ein Irrglaube, daß ein guter Koch dick sein muß.
XVI.
Beschweren Sie sich nicht über die schlechte Küche nachdem Sie den Teller bis auf den letzten Bissen leer gegessen haben.
XVII.
Versuchen Sie beim Italiener nicht italienisch zu sprechen, wenn Sie nicht italienisch können.
XVIII.
Sprechen Sie im Gourmet Restaurant nicht französisch. Sie könnten sich blamieren.
XIX.
Sprechen Sie den Herrn Ober mit „Herr Ober“ an, nicht mit Hallo, Sie, Du, He.
XX.
Schnippen Sie nicht mit den Fingern nach dem Herrn Ober. Die Sklaverei wurde schon 1861 abgeschafft.
XXI.
Versuchen Sie auch nicht mit diversen Zischlauten die Aufmerksamkeit auf sich zu lenken, wenn Sie rasch bedient werden wollen.
XXII.
Beschweren Sie sich nicht über warmes Bier. Wenn Sie etwas kaltes wollen müssen Sie Kaffee bestellen.
XXIII.
Beschweren Sie sich nicht über den Sprung in der Tasse, daran sehen Sie wie stark der Kaffee ist.
XXIV.
Fragen Sie den Herrn Ober nicht um eine „schönen Tisch“, es sind alle entweder rund oder viereckig.
XXV.
Fragen Sie beim Italiener niemals nach französischen Landwein.
XXVI.
Bestellen Sie beim Griechen keinen Falls türkischen Kaffee.
XXVII.
Sushi gibt es nur beim Japaner und nicht beim Chinesen.
XXVIII.
Es zeugt zwar nicht von Kulinarität, aber der Hamburger schmeckt doch bei Mc Donald am besten.
XXIX.
Trinken Sie mit dem Herrn Ober nicht um die Wette. Er muß noch arbeiten.
XXX.
Fragen Sie bei einer Beschwerde nicht nach dem Chef. Der Herr Ober könnte der Chef sein.
XXXI.
Beginnen Sie Ihren Lokalbesuch nicht mit einer Reklamation über die lange Wartezeit, dem Herrn Ober steht es frei ob er Sie bedienen wird oder nicht. Insbesondere dann wenn er der Chef ist.
XXXII.
Ist er nicht der Chef berücksichtigen Sie bitte, daß Herr Ober auch nur zwei Hände hat.
XXXIII.
Zwei Füße tragen ihn nicht schneller als sie es ohnehin schon tun. Hätte er Räder, wäre er kein Herr Ober geworden.
XXXIV.
Akzeptieren Sie, daß ihm auch nur ein Kopf zur Verfügung steht.
XXXV.
Ist das Lokal hoffnungslos überfüllt nehmen Sie zur Kenntnis das Herr Ober auch schon müde sein könnte und ihr Bier oder dergleichen einfach vergessen hat.
XXXVI.
Stellen Sie niemals die Frage „Herr Ober haben Sie mein Bier (oder dergleichen) vergessen?“, die Antwort ist in jedem Falle „Nein!“
XXXVII.
Werden Sie nett, freundlich und rasch bedient, sagen Sie es dem Herrn Ober, er freut sich sicher darüber.
XXXVIII.
Vermeiden Sie eine Beanstandung über eine Mücke im Bier, speziell wenn Sie unter freien Himmel sitzen. Gegen die Natur ist Herr Ober machtlos.
XXXIX.
Füttern Sie im Schanigarten kein Vögel, sie könnten frech werden und sich in Ihren Teller setzen.
XL.
Halten Sie Kinder und Hunde an der Leine. Denn wenn sie im Spiel mit dem Herrn Ober kollidieren könnten sie mit heißer Suppe übergossen werden.
XLI.
Und wenn es doch passiert geben Sie nicht dem Herr Ober die Schuld.
XLII.
Achten Sie darauf, daß Ihr Hund den Herrn Ober nicht beißt. Der Leidtragende sind Sie, wenn Sie nicht mehr bedient werden.
XLIII.
Wenn Sie in Wien eine Fledermaus auf der Speisekarte finden, so ist das nicht der Vampir sondern eine Altwiener Rindfleischspezialität.
XLIV.
Ordern Sie keine Soße (Tunke) zum Wienerschnitzel, Sie brechen Herrn Ober das Herz damit.
XLV.
Verkneifen Sie sich auch die Marillenmarmelade (Aprikosenkonfitüre) zum Wienerschnitzel. Wenn schon Marmelade, dann zumindest Preiselbeer.
XLVI.
Sagen Sie dem Herrn Ober niemals er „Muß“ ihnen Geld wechseln, zu diesem Zwecke ist er nicht da. Aber mit dem Zauberwort „Bitte“ werden Sie auf keinen Widerstand stoßen.
XLVII.
Ersuchen Sie Herrn Ober „höflich“ ein Taxi zu rufen wenn Sie eines benötigen, dann wird er Ihren Wünschen gerne nachkommen.
XLVIII.
Es wird Ihnen auch kein Stein aus der Krone fallen, wenn Sie den Herrn Ober „freundlich“ nach einer Zeitung fragen. So kommen Sie auch schneller zum Lesen.
XLIX.
Lies nie mit dem Finger auf der rechten Seite der Speisekarte.
L.
Beklagen Sie sich nicht darüber wie teuer der Kaffee ist. Herr Ober ist nicht dafür verantwortlich.
LI.
In Gruppen ist es ratsam Sammelbestellungen aufzugeben. So ärgern Sie Herr Ober nicht, werden rascher bedient und sind am Ende selbst zufriedener.
LII.
Bestellen Sie im Wiener Kaffeehaus nicht „Kafffe“ sondern „Kafeee“, wenn Sie nicht sofort als Tourist entlarvt werden wollen.
LIII.
Auf keinen Fall sollten Sie „Quark“ zum „Topfen“ sagen.
LIV.
Ist zu wenig Obers in Ihrem Kaffee und Sie möchten mehr Obers, dann fragen Sie nach mehr „Obers“ und nicht nach „Sahne“.
LV.
Gegen eine trockene Sachertorte hilft „Schlagobers“, nicht „Schlagsahne“.
LVI.
Ist sie noch immer zu trocken trinken Sie eine „Portion Kafeee“ dazu, nicht ein „Kännchen Kafffe“.
LVII.
In Wien ist ein „Berliner“ ein „Krapfen“.
LVIII.
„Topfenkolatsche“ bleibt Topfenkolatsche und nicht „Quarktasche“.
LIX.
Es ist zwar befremdend aber „Wienerli“ sind in Wien „Frankfurter“.
LX.
Bestellen Sie im echten Wiener Kaffeehaus keine „Kaisermelange“, zumindest dann nicht, wenn Sie in Ihrem Kaffee keinen Eidotter finden wollen.
LXI.
Präzisieren Sie im Wiener Kaffeehaus die Bestellung „Einspänner“. Herr Ober bringt Ihnen vielleicht anstatt der gewünschten Kaffeespezialität die Hälfte eines Paares Frankfurter. (Wird ebenfalls als Einspänner bezeichnet)
LXII.
Präzisieren Sie im Wiener Kaffeehaus die Bestellung „Einspänner“. Auch dann wenn Sie nicht wollen, daß Herr Ober einen Fiaker für Sie bestellt. (Auch eine Kutsche die von nur einem Pferd gezogen wird ist ein Einspänner.)
LXIII.
Präzisieren Sie weiters, wenn Sie einen „Fiaker“ bestellen, daß Herr Ober weiß ob er ihnen eine Kutsche bestellen soll oder ob Sie einen Einspänner mit Kirschwasser trinken wollen.
LXIV.
Habe Sie keine Angst davor einen „Maria Theresia“ zu bestellen. Herr Ober wird ihnen nicht die Gebeine der ehem. österreichischen Kaiserin vorsetzen, sondern eine Kaffeespezialität.
LXV.
Desgleichen gilt für Franziskaner und Kapuziner, die ebenfalls Kaffeespezialitäten sind. Es wird kein Mönch vor ihnen erscheinen.
LXVI.
Herr Ober wird den Kaffee nicht über Sie gießen und auch nicht rückwärts gehen wenn Sie „Kaffee verkehrt“ bestellen. Es ist einfach mehr Milch als Kaffee in der Tasse.
LXVII.
In Wien haben Sie auch die Möglichkeit ein „Séparée“ zu bestellen, ohne mit moralischen Blicken gestraft zu werden. Lediglich Kaffee und Milch werden separiert serviert.
LXVIII.
Es ist nicht erforderlich, daß Sie eine „schöne“ Tasse Kaffee bestellen, zumindest dann nicht, wenn Sie guten Kaffee meinen.
LXIX.
Das Glas Wasser das ihnen Herr Ober mit ihrem Kaffee bringt ist zum Trinken, nicht zum Hände waschen!
LXX.
Bitten Sie den Herrn Ober niemals um eine „schnelle“ Tasse Kaffee, zumindest nicht, wenn Sie in einem Wiener Kaffeehaus sitzen, denn die Wiener Gemütlichkeit ist sprichwörtlich.
LXXI.
Erkundigen Sie sich nicht danach welche Torten es gibt, sondern welche Ihnen Herr Ober anbieten kann.
LXXII.
Bitten Sie niemals nach dem Rezept des soeben Gegessenem. Es gibt in ganz Wien nur Geheimrezepte.
LXXIII.
Obwohl immer mehr Rücksicht auf Nichtraucher genommen wird, gibt es in keinem Schanigarten eine Nichtraucherecke.
LXXIV.
Beim Heurigen wird, wie der Name schon sagt „Heuriger“ ausgeschenkt und nicht „Jungwein“.
LXXV.
Die übliche Menge die getrunken wird ist ein „Vierterl“ und nicht ein „Schoppen“.
LXXVI.
Wenn Sie ein Viertel Heurigen (Schoppen Jungwein) bestellen verziehen Sie nach dem Kostschluck nicht das Gesicht. Der Heurige ist nicht „sauer“, sondern „resch“.
LXXVII.
Ist Ihnen der „Heurige“ zu „resch“ versuchen Sie den „Alten“.
LXXVIII.
Es gibt keine Rebsorte für „Heurigen“. Es ist ein „gemischter Satz“.
LXXIX.
Ein „Cuvee“ ist etwas anderes als ein „gemischter Satz“
LXXX.
Sie können Ihren Wein dann natürlich mit „Mineralwasser“ mischen, nicht mit einer „Selters“.
LXXXI.
Eines der beliebtesten Getränke beim Heurigen ist nicht die „Schorle“, sonder der „G’spritze“.
LXXXII.
Beim Heurigen gibt es kein „Eisbein“, nur „Stelze“.
LXXXIII.
Als Beilage bestellen Sie „Erdäpfel“ und nicht „Kartoffeln“.
LXXXIV.
Versuchen Sie nicht beim Heurigen Bier zu bestellen. Bei einem echten Heurigen gibt es nur Wein.
LXXXV.
Wenn Sie vor dem nach Hause gehen oder nach zu reichlichem Weingenuß noch Kaffee trinken wollen, werden Sie beim Heurigen ebenfalls Pech haben.
LXXXVI.
Geben Sie nicht nur der Musik, sondern auch Herrn Ober Trinkgeld. Er trinkt zumindest genau so gerne wie die Musiker.
LXXXVII.
Fragen Sie den Herrn Ober nicht ob er Trinkgeld nimmt. Geben Sie einfach Trinkgeld.
LXXXVIII.
Fragen Sie den Herrn Ober nicht wieviel Trinkgeld er nimmt, zumindest dann nicht, wenn Sie seiner Forderung nicht nachkommen wollen oder können.
LXXXIX.
Den Herr Ober auf ein Getränk einzuladen ist nicht das gleiche wie ihm Trinkgeld geben.
XC.
Seien Sie Herrn Ober nicht böse wenn er leicht beschwipst ist. Dann nämlich, ist er von sehr vielen Gästen auf ein Getränk eingeladen worden.
XCI.
Sehr geehrte Damen, begrapschen Sie den Herrn Ober nicht.
XCII.
Sehr geehrte Herren, begrapschen Sie weibliches Servierpersonal nicht. (Gilt auch für den Herrn Ober)
XCIII.
Danken Sie dem Herrn Ober für die freundliche Bedienung, er müßte nicht freundlich sein.
XCIV.
Haben Sie keine Scheu davor an ihrem Tisch alles offen auszusprechen, auch wenn Herr Ober anwesend ist. ärzte, Priester, Rechtsanwälte und der Herr Ober unterliegen der Schweigepflicht.
XCV.
Verzeihen Sie dem Herrn Ober wenn er Sie trotz allem nicht versteht, er spricht vielleicht mehrere Sprachen, aber Schwäbisch und Plattdeutsch kann er leider nicht.
XCVI.
Halten Sie dem Herrn Ober zu Gute, daß er versuchen wird sich mit Ihnen zu verständigen. Sei es mit Pantomime, händeringendem Deuten oder mit Fotografien der Tiere dessen Fleisch Sie gerade essen.
XCVII.
Gönnen Sie dem Herrn Ober eine Rauchpause.
XCVIII.
Halten Sie die Sperrstunde ein. Herr Ober hat auch ein Geschlechtsleben.
XCIX.
Den Herrn Ober können Sie mit jedem Problemchen und Wehwehchen konfrontieren, er wird immer einen Ausweg finden.
C.
Danken Sie Gott das es den Herrn Ober gibt.

Schlußwort

Denken Sie darüber nach, lassen Sie es wirken, schlafen Sie eine Nacht darüber und beherzigen Sie die kleinen Ratschläge, wenn Sie das nächste Mal in einem Restaurant, Kaffeehaus oder in Ihrer Stammkneipe sitzen. Im Speziellen, wenn es an den Weihnachtsfeiertagen, in der Silvesternacht, am Ostersonntag oder an sonst irgendeinem Wochenende, an einem Feiertag, zum Muttertag, oder zu mitternächtlicher Stunde sein sollte, zu einer Zeit also, wo Sie schon lange Ihre Freizeit genießen.

Es verbleibt Ihr, Ihnen Prost,
Mahlzeit und viel Spaß
wünschender Autor

Kaffeehaus die Zweite oder Die Kaffeespezialitäten

An diesen ganz besond’ren Orten,
gibt’s unendlich viele Sorten,

wie Kaffee bereitet und serviert,
wie entsteht und wie brilliert,

der Kaffee und seine Spezialitäten,
mal seh’n was wir da alles hätten.

Schwarz ist der Kaffee wie wir ihn kennen,
bleibt er so, den „Mokka“ wir ihn nennen,

die Milch, die gibt den braunen Ton,
nur ein paar Tropfen, s’ist ein „Franziskaner“ schon,

mit ein paar Tropfen mehr,
stellt man den „Kapuziner“ her,

auch halb und halb ist sehr beliebt,
so gemischt es die „Melange“ ergibt.

ist überwiegend Milch gefragt,
„Kaffee Verkehrt“ bestimmt behagt,

der will selber mischen den Kaffee,
bestellt ganz einfach „Separeè“.

Es ist nicht die Milch allein,
die man mischt in den Kaffee hinein,

Die große und die kleine „Schale Nuß“,
ist gefärbt mit Obers, nur ein Schuß.

Der kleine „Mokka g’sprizt“,
dir deine Laun‘ erhitzt,

noch dazu gut schmeckt,
weil, er ist mit Rum gestreckt.

Verfeinert mit Likör aus der Orange,
ist recht gängig in der Branche,

ist benannt nach einer Kaiserin,
„Maria Theresia“ so hieß die Namensgeberin.

Mit Kirschenschnaps bekommt er Geist,
„Fiaker“ er jetzt heißt,

wird er noch geeist,
mit Zucker leicht gespeist,

in eine Glas gefüllt sodann,
jetzt heißt der „Mazagran“.

Ein kleiner Mokka in ein Glas,
darüber Schlag, ein gutes Maß,

ist ein weit’rer Renner,
so gekocht wird der „Einspänner“,

gibst du noch Kaffee darauf,
schon ist es ein „Lauf“.

Wird der Weinbrand und der Zucker erst entflammt,
mit Kaffee gelöscht, „Bruliot“ genannt.

Die „Kaiser – Melange“ die sogenannte,
ist eine oft verkannte,

wenn bemerkt wird mit Gestotter,
das Weinbrand, Honig und vom Ei der Dotter,

sind darin enthalten,
wenn sie bereitet nach der Rezeptur, der Alten.

Mehr als reichlich ist die Zahl,
der Spezialitäten die zur Wahl,

nur wer wirklich ist gewitzt,
kennt auch „Konsul“, „Obers g’spritzt“,

den „Obermaier“, „Cafe Creme“,
dem ist auch der „Eiskaffee“ genehm,

wird sich am „Rüdesheimer“ laben,
obwohl ein „Türkischer“ zu haben,

für den ist auch zum guten Schluß,
der „Pharisäer“ mehr als nur ein Terminus.