k. u. k. Hofzuckerbäcker

Die ganze Welt umspannt der Ruf,
den Christoph Demel als Konditor schuf.

Seines Schaffens Wiege stand in dem Palais,
daß noch heut‘ erfüllt vom Duft von Backwerk und Kaffee,

dort wo sein Name in gold’nen Lettern blinkt;
wo des Zuckerbäckers Ruhm, dem wir vertrauen,

der Küche Künste, wir erschauen,
zu unserer Gäste Wohl herniedersinkt.

Ist, wo, obwohl der Zahn der Zeit gewütet,
seine Rezepturen wurden wohl behütet,

wo fleißig eitle Zuckerbäcker,
backen Süßes fein und lecker,

wo die Köche neben Konditoren,
garen, sieden, dämpfen, schmoren,

dort wo gebacken und gekocht in einer Qualität,
die schon Jahrhunderte besteht,

wo von der Backstub‘ strömt ein lieblich‘ Duft,
versüßt im ganzen Haus die Luft,

dort wo tagein tagaus seit vieler Jahr‘,
man alles trifft – vom Bürger bis zum Zar,

vorbei ritt einst der Kaiser, auf edlen Rappen,
wo heut‘ noch hängt des Demel’s Wappen,

Am Kohlmarkt stand’s und steht’s noch heute,
es ist das Haus mit N° 14, liebe Leute.

Kaffeehaus die Vierte oder Die Tradition

Das Kaffeehaus gibt’s, auch wenn’s verwundert,
seit über drei Jahrhundert,

die Türken, ließen sich von uns verjagen,
denn Prinz Eugen hat sie geschlagen,

als sie weg gewesen, da lagen,
konnten’s nicht mehr tragen,

oder haben sie’s vergessen,
Säcke voll mit Bohnen, nicht zum Essen,

Kaffee noch grün war in den Säcken eingewickel
durch rösten hat Aroma sich entwickelt,

und hat schon einmal gut gerochen,
man mußte ihn noch mahlen und dann kochen,

doch er schmeckte fürchterlich,
so bitter, daß er fast der Galle glich,

um das Getränk ein wenig zu beleben,
hat sich folgendes ergeben,

aus Kaffee und Milch ein Gemisch,
kam als nächstes auf den Tisch,

erst als Zucker den Kaffee versüßt,
hat wirklich jeder ihn begrüßt,

von nun an, von dieser Stunde,
war Kaffee in aller Munde,

und weil so oft verlangt,
ein Geschäftsmann hat erkannt,

der Kaffee läßt sich verkaufen,
und alle sind zu ihm gelaufen.

Und am I das Tipferl,
erfand der Bäckermeister Kipferl,

er hat ein Gebäck erfunden,
das dem Halbmond nachempfunden,

der von den Türken ist geblieben,
eine Mehlspeis wie sie alle Wiener lieben,

bleibt einzig noch die Frage offen,
wie hat wohl Kaffee und Kipferl sich getroffen?

So wurde es geboren, das Cafe,
in dem es gibt, seit eh‘ und jeh‘,
das Kipferl und Kaffee.

Kaffeehaus die Dritte oder 3. Die Torte

Es bedarf nicht vieler Worte,
jeder weiß was eine Torte.

Das Kapitol der Tortenwelt ist Wien,
die Sachertorte ihre Königin,

die Torte aus dem Imperial,
ist der Königin Gemahl,

dessen Sproß ist die Prinzeß,
sie ist die Comtess,

Um die Qualität zu heben,
um die Vielfalt zu beleben,

in der Tortenwelt, der Süßen,
liegen noch zu ihren Füßen,

Topfen, Nuß und die Souffle,
Mandel, Kirsch, St. Honore,

Hofburgtorte, Linzer – Burgtheater,
Trüffel und Cassata,

Torten aus der ganzen Welt,
haben sich nach Wien gesellt,

hier aufgenommen, ohne zu verändern,
leben Torten hier, aus allen Herren Ländern,

die Malakoff verdanken wir den Zaren
die Doboschtorte den Madjaren,

die Esterhazy ist aus Ungarn ebenso,
der Zigeuner Torte, die von überall und nirgendwo,

mit Schlag und Eis gefüllter Wind,
ist der Spanier berühmtes Kind,

die Fächertorte, Schicht für Schicht,
ein jiddisches Gericht,

Orleon und Alliance,
welche Frage – Made in France.

die mit Gemüse wird bereitet, dann und wann,
aus Schweden stammt der Apfelflan,

Gekrönte Häupter, Aristokraten,
Männer die vollführten Heldentaten,
sind so mancher Torten Paten,

Napolen ist wohl bekannt,
eine Torte wurd‘ nach ihm benannt,

andere nach Mozart dem Genie,
der königlichen Stefanie,

dem Maximilian zu Ehren,
dem Bismark kann man’s nicht verwehren,

endlos ist die Zahl an Sorten,
die es gibt an guten Torten,

ob rund ob eckig,
flaumig oder speckig,

hab‘ bis heute keinen kennen gelernt,
der nicht für irgend eine Torte schärmt.

Kaffeehaus die Dritte oder 2. Die Schnitte

Ein Teigblatt oben, unten in der Mitte,
gefüllt mit einer Creme, das ist die Schnitte,

der Geschmack ist der Creme Spiel,
derer Variationen gibt es viel‘,

die Oberscreme ist eine Wucht,
mit Vanille, Schoko oder Frucht,

Orangen- und Bananenschnitte,
die mit Zitronen ist im Bund die Dritte,

Weichselrahm- Maroni- und Kaffee-,
tiefgekühlt das Fragilite,

die Schönbrunnerschnitte steht zur Wahl
die Kronprinz- und die Kardinal-,

die Elisatbeth- für Sisi steht,
die Schnitte bürgt für Qualität,

nach altbewährter Sitte,
die adelige Kaiserschnitte,

auf besond’ren Wunsch
wird sie gefüllt mit Punsch

die Mozart und die Amadeus,
alle sind ein Hochgenuß,

so sind’s unendlich viele an der Zahl,
daß die Entscheidung wird zur Qual.

Kaffeehaus die Dritte oder 1. Der Strudel

Hauchdünner Teig, das ist die Hülle,
innen drin die leck’re Apfelfülle,

mit Rosinen, äpfel, Brösel, Zimt,
wird der Geschmack bestimmt,

der Strudel, sehr beliebt und weit verbreitet,
wird auch mit Kirschen, und Marillen zubereitet.

in der Hülle, dünner als Papier,
eingelegt sind Weichsel, Zwetschke, Birne hier,

Rhabarber, Erdbeer, Pfirsich dort,
lange läßt sich setzen diese Liste fort,

damit niemand seines Strudels wird beraubt,
wird er gefüllt, mit allem was erlaubt,

auch Mohn und Nuß gereichen ihm zu Würde,
ganz gleich ob er gezogen, Beugel oder mürbe.

Kaffeehaus die Dritte oder Die Mehlspeisen

Das Kaffeehaus ist für jeden,
der die Mehlspeis mag, ein Garten Eden,

Gemütlich ist der Wiener, gut genährt,
weshalb der Zuckerbäcker wird verehrt,

wie all die süßen Sachen die auf der Theke steh’n,
sind schön geschlichtet, lecker anzuseh’n,

und erst die Gerüche, dich betören,
wollen dich beschwören,

jeder Vorsatz wird gewendet,
jäh, wir die Diät beendet,

wenn die Dame an der Bud’l,
offeriert, den Apfelstrud’l,

eine lockere Biskuittroulade,
derer Fülle ist aus Marmelade,

oder wollen sie es lieber trocken,
dann wird eher sie verlocken,

Briochekipferl, Striezel oder Stollen,
Pinsen oder Früchtebrot, wie sie wollen.

Auf keine Fall ist zu vergessen,
gerne wird der Gugelhupf gegessen,

der aus Germteig ist gebacken, mit Bravour,
aus Schokolade die Glasur,

tausend Sorten Teegebäck,
der Marillen und der Zwetschkenfleck,

aus Marzipan gibt’s kleine Apferl,
aus Brandteig zarte Krapferl,

der Plunder- und der Butterteig,
sind ein wahrer Fingerzeig.

Doch ohne Buttercreme und Marmelad‘,
wär‘ die Mehlspeis richtig fad,

was würde man in die Kolatschen stopfen,
wenn nicht Powidl oder Topfen.

Der Gaumen wird verwöht,
der Mehlspeis‘ Optik noch verschönt,

mit Streußel, Hagelzucker, Mandelsplitter, non pareille,
doch das ist ein eigenes Essay.

Komm einfach ins Cafe und lassen dich leiten,
mit Augen, Mund und Nase durch die Köstlichkeiten,

fühl dich wohl, laß dich geh’n und genieß‘
ein einzigartig‘ Mehlspeisparadies.

Kaffeehaus die Erste oder die Erklärung

Das Kaffeehaus, von den Türken uns beschert,
ist jedem Wiener lieb und wert,

daraus entstanden ist die Zuckerbäckerei,
die dem Wiener alles, nur nicht einerlei,

keiner will darauf verzichten,
also lasset mich berichten.

Ob Minister oder Gauner,
bei Heiner, Gerstner oder Zauner,

ebenso bei Sperl oder Landmann,
trifft man Hausbesorger oder Amtmann,

sogar die Herr’n vom Weißen Haus und Kreml,
besuchen Sacher oder Demel.

Nehmen Platz in kleinen Nischen,
die bestückt mit runden Tischen,

nicht alleine der Getränke wegen,
ist das Kaffeehaus so ein Segen,

es hat schon fast das Monopol,
auf Pool Billard und Karambol,

es wird Schach gespielt und tarockiert,
laut und heftig diskutiert,

weil in der Zeitung steht Kritik,
an Wirtschaft, Sport und Politik.

Gemütlichkeit wird groß geschrieben,
Würfel über’s Brett getrieben,

Dichtung wird kreiert,
Lieder komponiert,

doch zumeist, wird nur getrunken und gespeist,
Menschen die die Welt bereist,

verkünden Aktuelles und Geschichten,
and’re lauschen den Berichten,

ob Wahrheit, Märchen oder Sage,
ist in keinem Fall die Frage,

Geselligkeit hat großen Wert,
ist beim Wiener höchst begehrt,

so ist der Wiener von Natur,
erhebt’s Kaffeehaus zur Kultur,

und das ist nicht gelogen,
auch nicht überzogen,

denn es bedarf nicht vieler Worte,
was wär‘ ohne Schlag die Sachertorte,

was wär‘ ohne Schaum das Bier,
ohne Tasten das Klavier,

ohne Wasser der Matrose,
ohne Käse der Franzose,

was wär‘ ohne Tintenfaß der Federkiel,
und derer Beispiel gäb‘ es viel,

es gäb ohne Frack kein‘ Diener,
und kein Kaffeehaus ohne Wiener,

klar liegt auf dem Tisch,
das Kaffeehaus, ist und bleibt, echt wienerisch.